https://www.faz.net/-gzg-77ky2

Fernbus-Reisen ab Frankfurt : Busbahnhof bald an Kapazitätsgrenze

Provisorium: Immer mehr private Busunternehmen nutzen den Busbahnhof südlich des Hauptbahnhofs. Bild: Röth, Frank

Fernbus-Reisen sind billiger als Bahnfahrten - aber sie dauern länger. Seit der Liberalisierung drängen immer mehr Unternehmen auf den Markt. „Flixbus“ heißt der jüngste Anbieter.

          2 Min.

          Langsam wird es eng am Busbahnhof. Denn mit „Flixbus“ nutzt jetzt ein weiteres Unternehmen das Areal südlich des Hauptbahnhofs. Seit einem Monat fahren Busse der in München ansässigen Firma von Frankfurt aus nach Köln und Nürnberg, zwölf Abfahrten aus der Bankenmetropole verzeichnet Flixbus derzeit jeden Tag. Doch das sei erst der Anfang, sagte Geschäftsführer André Schwämmlein gestern bei einer Pressekonferenz. In den nächsten Wochen will er das Angebot verdreifachen - und langfristig ein eigenes Liniennetz auf den Hauptachsen der Republik aufziehen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dann werden nach seinen Worten die Flixbus-Busse auf der Südroute über Mannheim, Karlsruhe und Stuttgart nach München fahren, über die Nordroute über Kassel und Hannover nach Hamburg und auf einer Nordwestroute nach Siegen und Dortmund über Münster nach Bremen. Auch Berlin und Leipzig sowie Mittelstädte wie Erlangen sollen angefahren werden. Frankfurt als Verkehrsdrehscheibe werde für Flixbus ein Knoten sein, so Schwämmlein. Auch am Flughafen würden bald Busse seiner Firma halten.

          „Wilder Westen“ am Hauptbahnhof

          Nach der Liberalisierung des Fernbusverkehrs werden von neuen Unternehmen immer mehr Verbindungen angeboten. Jüngst ist die Firma „Mein Fernbus“ mit regelmäßigen Fahrten nach Berlin, Hamburg und Freiburg an den Start gegangen. Jetzt kommt Flixbus mit seinem Angebot - und dürfte nicht das letzte Unternehmen sein, das sein Glück auf dem neuen Fernbus-Markt versucht. Geschäftsführer Schwämmlein rechnet mit bis zu acht weiteren Konkurrenten; drei oder vier Unternehmen können seiner Meinung nach dauerhaft überleben.

          Die Gründerwelle im Busverkehr macht sich längst auch am Frankfurter Busbahnhof bemerkbar. Zu den internationalen Anbietern, die oft Ziele auf dem Balkan oder Osteuropa ansteuern, gesellen sich nun Unternehmen, die innerhalb Deutschlands regelmäßige Fahrten anbieten. Sie alle halten auf dem Platz zwischen Stuttgarter, Pforzheimer, Karlsruher und Mannheimer Straße. Derzeit herrscht dort „Wilder Westen“: Die Busse dürfen unentgeltlich halten, die Ein- und Ausstiegssituation ist mitunter chaotisch. Die neuen nationalen Anbieter Flixbus und Mein Fernbus fahren die Mannheimer Straße an, feste Parkbuchten haben sie dort aber nicht.

          Bahnticket doppelt so teuer

          Der größte Vorteil des Busbahnhofs ist seine zentrale Lage direkt am Hauptbahnhof, größter Nachteil des Provisoriums ist das Fehlen einer Wartehalle. Wenn es mit der Entwicklung des Fernbusverkehrs so weiter gehe, werden bald der Platz knapp, meint Flixbus-Geschäftsführer Schwämmlein. Er wünscht sich kurzfristig mehr Struktur und langfristig einen richtigen Busbahnhof in Innenstadtnähe.

          Reisen mit dem Fernbus dauern länger als jene mit der Bahn - aber dafür sind sie günstiger: Für die Strecke von Frankfurt nach Köln braucht Flixbus etwa zweieinhalb Stunden, mit dem ICE erreicht man die Domstadt dagegen in einer Stunde. Das Bahnticket ist allerdings auch doppelt so teuer. Die Busfirmen bieten allesamt ausgesprochen günstige Preise: Zwischen neun und 15Euro kostet eine Fahrt von Frankfurt nach Köln, 15 bis 19Euro die Tour nach München, und nur fünf Euro jene nach Mannheim. Der Preis richtet sich dabei nach dem Zeitpunkt der Buchung: Wer früh eine Fahrkarte ordert, zahlt weniger. Der übliche Vertriebsweg ist das Internet, es gibt die Tickets aber auch direkt im Bus. Der Bahn, so schätzt Schwämmlein, werde man trotzdem nur wenige Kunden abtrotzen. Das Angebot von Flixbus werde vor allem von jungen Leuten und von Älteren genutzt, die genau auf den Euro schauen müssten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Dorothee Blessing, Deutschlandchefin von JP Morgan.

          JP-Morgan-Chefin im Gespräch : „Frankfurt wird wichtiger“

          Befindet sich die deutsche Industrie im Ausverkauf? Für Dorothee Blessing ist das keine plötzliche Erscheinung. Im Interview spricht die Deutschlandchefin von JP Morgan, über Brexit-Folgen rebellische Investoren – und die Angst vor der Börse.
          Der amtierende indische Ministerpräsident Narendra Modi

          Hohe Verschuldung : Weltbank warnt vor indischer Krise

          Die Lage der Banken wird prekärer. Von faulen Krediten im Volumen von rund 150 Milliarden Dollar ist die Rede. Nun schlagen die Probleme aus dem Finanzsektor auf die Binnenwirtschaft durch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.