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Hoffnungsträger der FDP : Zum Erfolg verdammt

Auftakt des Landtagswahlkampfes der FDP Rheinland-Pfalz: Volker Wissing soll die Wende bringen. Bild: dpa

Das Abschneiden bei der Landtagswahl in Mainz ist für die FDP mehr als eine landespolitische Frage - es geht um ihre Existenz als Bundespartei.

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          Die FDP kämpft am 13. März um ihre Zukunft. Bei der Wahl in Baden-Württemberg, dem Land von Theodor Heuss und Reinhold Maier, ist der Einzug in den Landtag Pflicht. Wenn es auch in Sachsen-Anhalt klappte, würde die FDP auf den Tischen tanzen. Emotional dazwischen liegt Rheinland-Pfalz. Nur wenn dort der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde gelingt, kann die FDP ihre Comeback-Geschichte glaubhaft bis zur Bundestagswahl weitererzählen. Nicht ohne Grund macht der Bundesvorsitzende Christian Lindner in dem Land mehr als 60 Wahlkampftermine.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          In Mainz gehört die Partei seit 2011 nicht mehr dem Landtag an. Das hat es für sie enorm schwierig gemacht, wahrgenommen zu werden. Die CDU, deren Wunschkoalitionspartner die FDP nach wie vor ist, versuchte zwar, den Freien Demokraten unter die Arme zu greifen. Man hielt sie auf dem Laufenden, gab ihnen Hinweise, wo sich ein außerparlamentarischer Angriff auf die rot-grüne Regierung lohnen könnte. Aber so recht kam die FDP nicht in die Gänge. Ende 2015 machte sich Ungeduld in der Partei breit. Deshalb wurde der Wahlkampf besonders früh gestartet. Am 9. Dezember präsentierte die Partei ihre Kampagne in einer alten Mainzer Fabrikhalle - das sollte Traditionsverbundenheit und Coolness gleichermaßen symbolisieren. Als der FDP-Landesvorsitzende Volker Wissing zwei Plakate enthüllte, herrschte unter den wenigen Anwesenden zunächst betretenes Staunen: Da war doch tatsächlich das Gesicht von Volker Wissing ikonisch in Magenta-Gelb abgebildet - und darunter stand: „Angstgegner“. Wie konnte das zu einem Mann passen, dessen Problem noch nicht einmal die fehlende Beliebtheit, sondern die fehlende Bekanntheit ist? Und wie zu einer Partei, die bei fünf Prozent lag - und bis heute liegt? War es nicht so, dass man, statt vor der FDP Angst zu haben, eher um die FDP bangen musste?

          Wenn es mit jemanden gehen soll, dann mit Wissing

          Doch je länger man darüber nachdachte - es ist ja schon mal was, wenn Wahlplakate überhaupt zum Nachdenken animieren -, desto zwingender erschien das Motiv. Denn zunächst geht es für die Partei in diesem Wahlkampf darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Mit einem Foto von Wissing hätte man das kaum geschafft, zumal in dieser Disziplin die Konkurrenz mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und ihrer Herausforderin Julia Klöckner (CDU) übermächtig ist. Die Strategen bei der FDP haben sich natürlich auch überlegt, ob so ein Plakat als Rückfall in die Spaßwahlkampf-Zeiten unter Guido Westerwelle gedeutet werden könnte. Sie sind zu dem - nachvollziehbaren - Schluss gelangt: Wenn man es mit jemandem machen kann, dann mit Wissing. Denn er steht sicher nicht im Verdacht, ein Luftikus zu sein - ganz im Gegenteil.

          Wissing ist ein kluger, hochanalytischer Kopf. Man wird kaum jemanden finden, der ihm Kompetenz abspricht, insbesondere, wenn es um Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik geht. Um die hat er sich auch im Bundestag gekümmert, zuletzt, bis zum Ausscheiden der FDP, als deren finanzpolitischer Sprecher. In Berlin hat sich der 45 Jahre alte calvinistische Protestant unter anderem durch seinen Fleiß und seine Hartnäckigkeit einen Namen gemacht. Den früheren Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) brachte er im Untersuchungsausschuss zur Rettung der Hypo Real Estate mit seinen Fragen fast zur Weißglut.

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