Unabhängigkeitskampf : Kraftprobe in Kurdistan

Im irakischen Ringen um das Bestreben der Kurden nach Unabhängigkeit gerät die Stadt Kirkuk in den Mittelpunkt. Deren Gouverneur widersetzt sich Bagdad. Droht eine blutige Eskalation?
Die kurdische Antwort war deutlich: Der Gouverneur von Kirkuk, Nadjamdin Karim, teilte mit, er werde sich dem Votum des Parlaments in Bagdad nicht beugen. Die Abgeordneten hatten am Donnerstag in der irakischen Hauptstadt beschlossen, Karim sei aus dem Amt zu entfernen. Sie waren damit einer Aufforderung von Ministerpräsident Haider al Abadi nachgekommen. Karim ließ die Führung in Bagdad allerdings wissen, er denke gar nicht daran, den Regierungssitz in der nordirakischen Stadt zu räumen. Das sei auch eine Frage des Stolzes – für ihn persönlich und für die Stadt, die er regiert. Der Präsident der autonomen Region Irakisch-Kurdistan, Massud Barzani, stärkte dem Gouverneur den Rücken. Er pries Karim, der ein lautstarker Verfechter der kurdischen Unabhängigkeit ist, als einen aufrechten Patrioten. Das Votum der Parlamentarier sei nur ein weiterer Beweis dafür, dass der Irak von einer Mehrheit regiert werde, für die Minderheiten wie die Kurden nicht zählten. Sein Büro verkündete später in einer Erklärung, der Gouverneur sei nicht vom irakischen Parlament eingesetzt worden, sondern vom Provinzrat der Provinz Kirkuk. „Also können ihn auch nur die Menschen von Kirkuk absetzen.“





