https://www.faz.net/-gpf-7c06u

Rheinland-Pfalz : Aus dem Schatten des Patriarchen

Da strahlen sogar Manager: Malu Dreyer lacht beim Firmen-Besuch in Kreuznach Bild: dpa

Malu Dreyers Sympathiewerte erreichen traumhafte Höhen. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin bricht mit dem Stil ihres Vorgängers Kurt Beck - und zwar nicht nur beim Witze Erzählen.

          4 Min.

          Aufmerksam hört die zierliche Frau in der gelben Kostümjacke der chinesischen Forscherin für Mikrooptik zu. Als Entwicklungsleiterin Lingli Wang mit einem hellen Lachen ihre Präsentation der neuesten Produktideen einer Bad Kreuznacher Firma für Smartphones und Filmkameras beendet, löst sich auch bei Malu Dreyer die Spannung. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin lacht derart ansteckend fröhlich zurück, dass die Gesichter der Manager, Mitarbeiter und Auszubildenden vor Freude strahlen.

          Thomas Holl

          Redakteur in der Politik.

          Seit ihrem Amtsantritt vor einem halben Jahr ist es ihre erste Reise durch das Land. Begleitet wird die SPD-Politikerin wie ihr Vorgänger von Journalisten. Bei Auftritten wie in Bad Kreuznach wird rasch klar, was sich Kurt Beck bei seiner Entscheidung gedacht haben mag, als er die 52 Jahre alte Sozial- und Gesundheitsministerin zur Überraschung der Opposition, aber auch einiger Parteifreunde, Ende September 2012 zu seiner Wunschnachfolgerin ausrief.

          „Nah bei de Leut“, nur eben anders

          In aktuellen Umfragen sagen inzwischen 20 Prozent der Rheinland-Pfälzer, dass sie ihre Sache besser mache als Beck, der das Land 18 lange Jahre regierte. 42 Prozent geben an, sie regiere genauso gut wie Beck, und nur acht Prozent trauern dem SPD-Patriarchen nach. Ihre Sympathiewerte haben traumhafte Höhen erreicht, die stets volksnahe CDU-Oppositionsführerin Julia Klöckner hat sie in dieser Kategorie weit hinter sich gelassen.

          Wo Klöckner mit ihrer dominierenden Herzlichkeit mitunter wie eine weibliche und jüngere Ausgabe Becks wirkt, bleibt Dreyer erst einmal im Hintergrund und hört zu. Dennoch ist sie wie ihr politischer Entdecker Beck „nah bei de Leut“, nur eben anders - leise, zurückhaltend und gelassen. Bei dem zweiten Termin im Technologiezentrum Koblenz lässt sich dieser neue Stil bei einem „Gründergespräch“ mit vier jungen Chefs von Start-up-Firmen beobachten. Die Moderation und damit auch die Bühne hat sie einer Mitarbeiterin der Mainzer Staatskanzlei überlassen.

          Sie spricht offen über ihre Erkrankung

          Sie selbst sitzt in der ersten Reihe und hört konzentriert zu, als die Jungunternehmer von bürokratischen Hürden berichten und Wünsche an die Politik formulieren. Es sei ungewöhnlich, sagt sie hinterher, dass sie Wünsche von Unternehmern höre, die „nichts kosten, sondern nur Phantasie erfordern“. Einen Wunsch habe sie aber selbst: „Es wäre sehr hilfreich zu wissen, welche bürokratischen Hindernisse sie nehmen müssen.“ Die Bitte trägt sie im Stehen vor, ohne dabei von ihrer jungen Referentin gestützt werden zu müssen, die nicht von ihrer Seite weicht.

          Wegen ihrer Erkrankung an Multipler Sklerose war ihre Berufung zur Ministerpräsidentin mit einem oft 16 Stunden dauernden Arbeitstag für viele eine Überraschung. Bei der früheren Rollerskaterin Malu Dreyer schränkt diese Krankheit das Gehen ein, nicht aber das Sprechen. Auch in der eigenen Partei hatten viele sie wegen ihrer Erkrankung nicht mehr als Nachfolgerin Becks auf der Rechnung. Mit den Belastungen des Amtes schien die Diagnose nach gängiger Meinung nicht vereinbar zu sein. Die erst 1995 von Beck in die SPD und damit in die Politik geholte Juristin spricht offen über ihre Erkrankung, über die sie vor sieben Jahren erstmals die Öffentlichkeit informierte. Erst seit dem vergangenen Jahr nimmt sie für längere Wege den Rollstuhl.

          Weitere Themen

          Lügt Trump oder Lawrow? Video-Seite öffnen

          Widersprüchliche Aussagen : Lügt Trump oder Lawrow?

          Während das Weiße Haus nach dem Treffen mit dem russischen Außenminister erklärte, Trump habe Moskau dabei vor einer russischen Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2020 gewarnt, sagte Lawrow, das Thema Wahlbeeinflussung sei gar nicht angesprochen worden.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.