Gendern an Schulen : Kretschmanns berechtigte Sorge

Es gehört zum Erfolgsrezept des baden-württembergischen Ministerpräsidenten, die Grünen hin und wieder vor den Kopf zu stoßen. Eine Sorge sollten sich jedoch Politiker aller Parteien zu Herzen nehmen.
Kretschmann macht Front gegen das Gendern an Schulen. Das dürfte die Grünen wenig erfreuen. Allerdings ist es Teil des Erfolgsrezepts des baden-württembergischen Ministerpräsidenten, seine Partei hin und wieder vor den Kopf zu stoßen. Andernfalls wäre er nicht über viele Jahre hinweg so populär im konservativen Südwesten.
Einst hat Kretschmann die Steuerpläne seiner Partei als zu links gegeißelt, dann dazu aufgerufen, weniger zu moralisieren. Später war er der Meinung, nicht jeder Flüchtling könne bleiben. Nun ist das Gendern dran, ein weiteres Lieblingsthema der Grünen.
Weniger Plastik, bitte!
Während Gegnern und Befürwortern hier etwas Gelassenheit guttäte, sollten sich Politiker – und zwar aller Parteien – zumindest einen Teil der Kretschmann’schen Sorge um die deutsche Sprache zu Herzen nehmen: Er fordert seine Zunft auf, wieder so zu reden, dass die Menschen es auch verstehen. „Wir Politiker sind Meister darin, Plastikwörter zu generieren“, sagt er. Also Wörter, die im besten Fall gut klingen, aber wunderbar verschleiern oder so inflationär gebraucht werden, dass sie völlig nichtssagend sind.
Und das stimmt. Ein Teil des fehlenden Vertrauens in die Politik lässt sich mit einer Sprache erklären, die viel zu unkonkret ist oder aus Worthülsen besteht. Besonders in diesen verunsichernden Zeiten ist eine Sprache wichtig, die Zuhörer und Leser nicht ratlos zurücklässt.






