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Brief an deutsche Katholiken : Rätselhafte Post vom Papst

Ein Wink: Papst Franziskus beim Angelus-Gebet Bild: AP

Papst Franziskus hat sich in einem Schreiben an die deutschen Katholiken gewandt. Das hat es seit mehr als fünfzig Jahren nicht mehr gegeben. Doch die Botschaft des Briefs bleibt strittig.

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          Wenn ein Papst sich in einem Brief direkt an die Katholiken eines bestimmten Landes richtet, dann war dies in der Vergangenheit oft mit historischen Zäsuren in der Geschichte der jeweiligen Kirche verbunden. So war es bei Benedikt XVI., der 2007 mit einem Brief an die chinesischen Katholiken eine neue Phase im damals brachliegenden Dialog zwischen dem Vatikan und der chinesischen Führung in Peking einleitete und drei Jahre später angesichts des verheerenden Missbrauchsskandals an die irischen Katholiken schrieb. Und so hielt es auch sein Nachfolger Franziskus, der sich 2018 in einem Brief an die chilenischen Katholiken wandte, nachdem offenbar geworden war, dass die Bischöfe des Landes im Kampf gegen sexuellen Missbrauch versagt hatten.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          Dass ein Papst nach Deutschland schreibt, hat es seit mehr als fünfzig Jahren nicht mehr gegeben. Daher war die Überraschung groß und waren die Erwartungen hoch, als am Donnerstag bekannt wurde, dass Franziskus einen Brief an die deutschen Katholiken geschrieben hat, in dem es um den sogenannten synodalen Weg gehen soll. Was hatte der Papst ihnen dazu zu sagen? „Synodaler Weg“ tauften die deutschen Bischöfe den Diskussionsprozess über den Zölibat, die kirchliche Sexualmoral und die Beschränkung klerikaler Macht, den sie im März während ihrer Vollversammlung in Lingen beschlossen hatten und an dem auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken beteiligt sein soll. Damit zog die Bischofskonferenz Konsequenzen aus den Ergebnissen der von ihr in Auftrag gegebenen Studie über sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche, die im Herbst vergangenen Jahres veröffentlicht worden war.

          Ermutigung vom Papst

          Was den Papst letztlich zu seinem Brief an „das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ bewogen hat, den der Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz am Samstag veröffentlicht haben, lässt sich schwer sagen. Manche Passagen in dem 19-seitigen Schreiben lassen sich als Ermutigung lesen, in der Diskussion über kirchliche Reformen voranzuschreiten, andere klingen so, als wolle der Papst verhindern, dass die Debatte – aus römischer Warte betrachtet – aus dem Ruder läuft und es zu einem deutschen Sonderweg kommt. Franziskus beschränkt sich auf allgemeine Hinweise und geht nicht konkret auf den Zölibat, die Sexualmoral oder klerikalen Machtmissbrauch ein. Auch den Missbrauchsskandal erwähnt er mit keinem Wort.

          „Wir sind uns alle bewusst, dass wir nicht nur in einer Zeit der Veränderungen leben, sondern vielmehr in einer Zeitenwende, die neue und alte Fragen aufwirft, angesichts derer eine Auseinandersetzung berechtigt und notwendig ist“, schreibt der Papst zu Beginn des Briefs. Die aktuellen Herausforderungen verlangten ein „gesundes aggiornamento“ (Anpassung an heutige Verhältnisse), heißt es weiter unter Rückgriff auf einen berühmten italienischen Begriff, den Papst Johannes XXIII. anlässlich der Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) prägte.

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