https://www.faz.net/-gpf-8kzqh

Weniger Flüchtlinge : Zwei von drei Plätzen in der Erstaufnahme sind ungenutzt

  • -Aktualisiert am

Leere Feldbetten in einer ehemaligen Turnhalle in Gera-Liebschwitz Bild: dpa

Weniger Flüchtlinge kommen nach Deutschland, die Unterkünfte bleiben leer. Die Bundesländer bauen ihre Einrichtungen wieder ab, zeigt eine Umfrage der F.A.Z. - nur in den Großstädten sieht es anders aus.

          4 Min.

          Leeres Bett, leere Halle, leere Unterkunft: Nach der Ankunft von mehr als einer Million Flüchtlingen in 2015 werden in diesem Jahr viele Erstaufnahmeeinrichtungen der Bundesländer gar nicht mehr gebraucht. Mehr als die Hälfte der Plätze sind derzeit in Deutschland ungenutzt. Deswegen kürzt Hessen die Erstaufnahmekapazitäten und verzichtete schon zuvor auf die Flüchtlingsunterbringung in Leichtbauhallen in Limburg, in der Landesfeuerwehrschule in Kassel und in einer Gewerbehalle in Langen.

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Bundesland reduziert damit in diesem Jahr die Mehrheit der Standorte: Bald sollen noch 11 Einrichtungen mit 14 000 Plätzen für die Erstaufnahme zur Verfügung stehen. Hessen spart nach Angaben des Sozialministerium durch einen schon erfolgten Abbau der Kapazitäten 25 Millionen Euro im Monat ein, vor allem als Folge gesunkener Bewachungskosten. Mit einer weiteren Reduktion sollen zusätzlich 7 Millionen Euro im Monat eingespart werden. Derzeit sind in der Erstaufnahme des Bundeslandes 6100 Flüchtlinge untergebracht. Damit stehen dort viel mehr Betten leer als genutzt werden.

          Einrichtungen werden wieder abgebaut

          In weiten Teilen Deutschlands sieht es ähnlich aus, seitdem der Flüchtlingszustrom in diesem Sommer zurückgegangen ist. Während vor einem Jahr Bundesländer und Kommunen kaum wussten, wie viele Flüchtlinge noch kommen würden und wo diese unterzubringen seien, gibt es in den Erstaufnahmeeinrichtungen jetzt zu viele Plätze: Nach einer Umfrage dieser Zeitung unter den Bundesländern beträgt die Auslastungsquote im Durchschnitt fast 35 Prozent.

          Die Erstaufnahmekapazitäten der Bundesländer kamen im Juli und August auf etwa 220 000 Plätze. Davon waren etwa 145 000 Plätze ungenutzt. Ein Jahr nach dem Flüchtlingsstrom nach Deutschland und dem „Wir schaffen das“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bauen die Länder ihre Einrichtungen wieder ab.

          Auslastung in Großstädten höher

          Die Auslastung liegt am niedrigsten in Thüringen mit einer Quote von 13 Prozent vor Niedersachsen mit 16 Prozent und Schleswig-Holstein mit 17 Prozent. In Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen aus sind ungefähr zwei von zehn Plätzen belegt. Nordrhein-Westfalen kommt mit einer Kapazität von 62 000 Plätzen auf eine Quote von 34 Prozent, Hessen liegt leicht darunter und Rheinland-Pfalz sowie Brandenburg leicht darüber.

          Nach Angaben der sieben Bezirksregierungen in Bayern, die die Erstaufnahme in dem Bundesland übernehmen, wird dort jeder zweite Platz der zusammen 20 000 Plätze genutzt. Höher ist die Auslastung in den Großstädten: Hamburg und Bremen kommen auf fast 80 Prozent.

          Seit mehreren Monaten kommen etwa 16 000 Flüchtlinge im Monat nach Deutschland, die im Easy-System registriert werden. Sie werden unter den Bundesländern nach dem „Königsteiner Schlüssel“ verteilt, der Steueraufkommen und Bevölkerungszahl berücksichtigt. Die Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber betreiben in der Regel die Bundesländer, die anschließend die Flüchtlinge an die Städte und Landkreise weitergeben, die dort häufig dezentral in Wohnungen untergebracht werden. Im Herbst vergangenen Jahres leiteten die Länder Flüchtlinge rasch an die Kommunen weiter, da ihre Erstaufnahmekapazitäten überfüllt waren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.