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Maaßen und Sarrazin : Wahlkampf der alten Männer

  • -Aktualisiert am

Hans-Georg Maaßen trifft Thilo Sarrazin (r), früheres SPD-Mitglied und Politiker, bei einer Wahlkampfveranstaltung im Saal Simson des Congress Centrum Suhl. Bild: dpa

In Suhl diskutiert CDU-Kandidat Hans-Georg Maaßen mit dem früheren SPD-Mitglied Thilo Sarrazin. Dabei geht es weniger um Inhalte und vielmehr um die persönliche Kränkung der beiden.

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          Es ist kurz vor Ende des Abends, als ein Zuschauer die Frage stellt, die einen zurück auf den Boden der Tatsachen holt: Ob denn Herr Maaßen heute nochmal in die CDU eintreten würde? Im Verlauf der vergangenen zwei Stunden war der Eindruck immer stärker geworden, hier im Suhler Kongresszentrum bei allem zu sein, nur keinesfalls bei einer Wahlkampfveranstaltung der Union. Ein Parteilogo ist ohnehin nirgends zu sehen, nur zwei Aufsteller mit Maaßens Konterfei. Die Veranstaltung wiederum war kurzfristig, und, wie der Meininger CDU-Kreisvorsitzende Ralf Liebaug sagt, „aus Sicherheitsgründen“ vom Volkshaus in Meiningen nach Suhl verlegt worden. Was in Meiningen eine Reihe Menschen enttäuscht vor dem Volkshaus stehen ließ. Statt Maaßen und Sarrazin sahen sie sich vor verschlossenen Türen Mitstreitern des Bündnisses „Meiningen ist bunt“ gegenüber, die Plakate mit Aufschriften wie „Wir lassen uns die Demokratie nicht nehmen!“, „Maaßen – Parteiausschluss“ sowie „Deutschland schafft sich derMaaßen ab!“ mitgebracht hatten.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Derweil haben sich im Saal „Simson“ des Kongresszentrums rund 100 Menschen eingefunden, genau dem Saal, in dem Maaßen Ende April von den vier regionalen CDU-Kreisverbänden zum Kandidaten für die Bundestagswahl im Wahlkreis 196 gewählt worden war. Eine Jugendgruppe aus dem nahen Bayern ist dabei, auch ein paar Frauen, aber in der übergroßen Mehrzahl sind es ältere weiße Männer, und sie entsprechen damit genau den drei Rednern auf der Bühne. Maaßen, vom Publikum aus links, trägt einen dunklen Anzug nebst pinker Krawatte, Sarrazin in der Mitte ist, ganz Pensionär, in Jeans, krawattenlosem Hemd und Sakko erschienen. Für Maaßen ist es ein weiterer Stargast aus der Reihe der vermeintlich Klartext Sprechenden. Zuvor waren der früher Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach, der einstige Bürgerrechtler Arnold Vaatz und der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt zu Gast bei Maaßen. Jetzt also Sarrazin. Beide werden im Folgenden die Themen des Moderators oder vielmehr die Stimmung anheizenden Stichwortlieferanten dankbar aufnehmen.

          „Wird die Politik nicht immer irrationaler und dogmatischer?“, lautet etwa eine der Steilvorlagen, oder auch: „Stimmt es nicht, dass in Deutschland nur noch der demokratisch ist, der die vorherrschende Meinung vertritt?“, bis hin zu, in verschiedenen Variationen: Ob die „Zustände“ heute nicht „wieder so wie damals in der DDR“ seien. Auf Maaßen und Sarrazin muss das alles intellektuell reichlich unterfordernd wirken, aber das hier ist Wahlkampf, man ist unter sich, und so können sie ohne Mühe ihre Lieblingsthemen spielen. Es geht, kaum überraschend, vor allem um Klimawandel, Meinungsfreiheit und Migration.

          Maaßen beklagt eine angebliche „Hypermoral“ in Medien und Politik, die etwa bei Asyl und Seenotrettung geltendes Recht außer Kraft setze. „Da haben Sie völlig Recht, Herr Maaßen“, pflichtet Sarrazin bei. Im Übrigen beschäftigten sich Deutschlands Politiker zunehmend mit Dingen, die sie sowieso nicht ändern könnten – wie etwa den Klimawandel. Zwischen diesem und dem Hochwasser an der Ahr gebe es nämlich „null Zusammenhang“, sagt Sarrazin. Vielmehr habe die Politik „gepennt“ und weiter in Hochwassergebieten bauen lassen, und dieses Versagen wolle sie nun dem Klimawandel „in die Schuhe schieben“.

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