Leserbriefe :
31. Dezember 2025

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Das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen
Das Oberschlesische Landesmuseum in RatingenImago

Flucht und Vertreibung +++ Gastbeitrag von Stefan Kooths  +++ Grundsteuer

Mit neuen Mitteln

Reiner Burger hat in seinem Artikel „Vertreibung und Migration. Wie an die einstigen deutschen Ostgebiete erinnern?“ (F.A.Z. vom 22. Dezember) ganz zu Recht darauf hingewiesen, dass es neuer Formen der Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg bedarf. Ich möchte hinzufügen: auch einer neuen Welle der wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesem Thema, die an das Vorhandene anknüpft, zugleich es aber stärker als bisher kontextualisiert. Der Blick auf Nordrhein-Westfalen erscheint dabei besonders sinnvoll. Anders als in Hessen, wo an der Universität Gießen und dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg ein auf vier Jahre angelegtes Forschungsprojekt zur Integration der Vertriebenen in diesem Land angesiedelt ist, und auch anders als in Bayern, wo ein ähnliches Projekt am Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg vorangetrieben wird, hat es solche Initiativen in Nordrhein-Westfalen bisher noch nicht gegeben. Es wäre äußerst wünschenswert, wenn die Initiative des Gerhart-Hauptmann-Hauses und ähnliche Überlegungen an der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne auf Unterstützung in Politik und Gesellschaft treffen würden. Das bald mit einem neuen Sitz versehene Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf unter dem neuen Direktor Basil Kerski wäre prädestiniert für die Umsetzung an der Schnittstelle von Wissenschaft, Museumskunde und ­Pädagogik.
Dabei wird allerdings zu beachten sein, dass die Schicksale der Deutschen nicht losgelöst von anderen Gruppen am Ende des Zweiten Weltkriegs betrachtet werden können. Die große Anzahl von jüdischen und nichtjüdischen „displaced persons“ in der Britischen Besatzungszone gehört ebenso in diesen Kontext wie das Verhalten der einheimischen Bevölkerung gegenüber den meist unerwünschten Fremden. Besonders die Geschichte der diversen Lager, die teilweise bis weit in die Zeit der Bundesrepublik hinein existierten, ist noch zu wenig untersucht. Noch weniger aufgearbeitet sind die nächsten Einwanderungswellen aus Mittel- und Osteuropa zwischen 1956 und 1989.
Neben der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit wird es dabei vor allem darauf ankommen, mit anderen medialen Mitteln als bisher – und damit meine ich nicht nur Tiktok-Videos – die junge Generation mit Fakten und Interpretationen bekannt zu machen.
PD Dr. Markus Krzoska, Projektkoordinator Herder-Institut für historische Ostmitteleuropa-forschung, Marburg

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