https://www.faz.net/-gq5-84xrk

„Islamischer Staat“ : Islamisten dringen wieder nach Kobane vor

  • Aktualisiert am

Kobane ist nach den Kämpfen gegen den IS großflächig zerstört. Bild: AFP

Die Dschihadisten vom „Islamischen Staat“ versuchen Kobane zurückzuerobern. Südlich der Stadt wurden Dutzende Dorfbewohner ermordet. Beobachter vermuten, dass die IS-Kämpfer über türkisches Gebiet eingedrungen seien. Die Türkei bestreitet das.

          2 Min.

          Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ist abermals bis in die nordsyrische Grenzstadt Kobane vorgestoßen. In der Nacht habe es in mehreren Gebieten des Ortes schwere Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und den Extremisten gegeben, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag. In einem Dorf südlich von Kobane seien dann mindestens 20 Zivilisten ermordet worden, darunter auch Frauen und Kinder. Die Dschihadisten hätten auch Bewohner des Ortes Barech Butan erschossen, die sich im Kampf gegen den IS bewaffnet hätten, hieß es weiter.

          Die heftigen Kämpfe gingen am Donnerstag weiter. Die Kurden hatten Kobane erst Ende Januar nach monatelangen Kämpfen aus der Gewalt des IS befreit. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich in Syrien auf ein Netzwerk von Informanten, ihre Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

          Ein IS-Kämpfer habe sich am frühen Morgen am Grenzübergang zur Türkei mit einem Fahrzeug in die Luft gesprengt, erklärten die Menschenrechtler. Aktivisten aus der Stadt berichteten von weiteren Explosionen. Dutzende Menschen seien getötet worden, die meisten von ihnen Zivilisten, sagte ein Korrespondent des lokalen syrischen Radiosenders Arta FM der Deutschen Presse-Agentur.

          Ihm zufolge gibt es deutliche Hinweise, dass die IS-Kämpfer von türkischem Gebiet aus Kobane angegriffen habe. Auf der syrischen Seite der Grenze hätten die Kurden zahlreiche Kontrollpunkte errichtet, die die IS-Kämpfer nicht hätten passieren können. Derzeit seien nur wenige Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) in der Stadt, da diese an anderen Fronten gegen den IS kämpften. Kurden-Sprecher Idriss Nassan erklärte, die Gefechte gingen weiter, die Lage sei aber unter Kontrolle.

          Der IS hatte die vor allem von Kurden bewohnte Grenzstadt bereits im vergangenen Jahr angegriffen und große Teile Kobanes eingenommen. Mit Hilfe von Luftangriffen der internationalen Koalition gelang es den kurdischen Volksschutzeinheiten in monatelangen Kämpfen jedoch, die Dschihadisten zurückzudrängen. Ende Januar wurde Kobane endgültig befreit. Kämpfe und Luftangriffe haben jedoch große Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. Erst in den vergangenen Wochen war langsam wieder Leben nach Kobane zurückgekehrt.

          Der neue IS-Angriff erfolgte nur wenige Tage, nachdem die Extremisten im Norden Syriens schwere Niederlagen gegen die Kurden einstecken mussten. In der vergangenen Woche hatten die Volksschutzeinheiten die weiter östlich gelegene Grenzstadt Tell Abjad befreit. Am Dienstag nahmen sie den Ort ein Ain Issa und rückten bis auf rund 50 Kilometer an die syrische IS-Hochburg Raqqa heran. Die Extremisten verloren durch die Niederlagen ihre wichtigsten Nachschubwege in die Türkei.

          IS-Kämpfer griffen am Donnerstag auch die östlich von Kobane gelegene Stadt Hasaka an. Bei heftigen Kämpfen seien mindestens 20 Dschihadisten und 30 Anhänger des syrischen Regimes getötet worden, erklärte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Extremisten hätten einige Teil der Stadt eingenommen.

          Topmeldungen

          „Sicherheitsgesetz“ : Hongkong droht nun Zensur

          Hongkongs „Sicherheitsgesetz“ schränkt seine Einwohner stark ein. Nicht einmal Plakate ohne Parolen toleriert die Polizei noch. Netzwerke wie Facebook wollen nun keine Nutzerdaten mehr weitergeben. Wird China sie verbieten?
          Die Welt wird enger, aber wir können etwas dagegen tun.

          Polarisierung in Debatten : Wir Gesinnungsgenossen

          In diesen Monaten zeigt sich die Herrschaft des Framings noch deutlicher also sonst – besonders bei Twitter. Ein Plädoyer für mehr Offenheit gegenüber dem, was uns zwar nicht gefällt, aber noch lange nicht extrem ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.