https://www.faz.net/-gpf-8vhay

Mordfall Kim Jong-nam : Nordkorea vermutet Herzschwäche als Todesursache

  • Aktualisiert am

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un und sein in Malaysia getöteter Halbbruder Kim Jong-nam Bild: dpa

Für die malaysischen Ermittler ist die Sache klar: Der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers wurde Opfer eines Giftmords. Doch Pjöngjang vertritt eine andere Theorie.

          2 Min.

          Nordkorea bestreitet, dass der ältere Halbbruder von Machthaber Kim Jong-un auf dem Flughafen von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur einem Giftmord zum Opfer gefallen ist. Es gebe starke Hinweise, dass dieser einem Herzinfarkt erlegen sei, sagte der frühere stellvertretende nordkoreanische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Ri Tong-il, am Donnerstag bei einem Besuch in Malaysia.

          Auf den 45 Jahre alten Halbbruder von Kim Jong-un hatten zwei Frauen Mitte Februar einen Anschlag verübt. Die Obduktion ergab, dass Kim Jong-nam durch das Nervengift VX starb. Den beiden Frauen, die aus Indonesien und Vietnam stammen, droht die Todesstrafe. Sie sagten aus, sie seien für eine Reality-TV-Show angeworben worden. Vermutet wird, dass Nordkorea hinter dem Anschlag steckt. Ri Tong-il leitet eine nordkoreanische Delegation, die sich seit Dienstag in Malaysia aufhält.

          Nach seinen Worten litt Kim Jong-nam an hohem Blutdruck. Deshalb sei er womöglich an Herzinfarkt gestorben. Um zu beweisen, wie der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers tatsächlich umgekommen sei, müssten Proben des angeblich verwendeten Gifts von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) überprüft werden.

          Der nordkoreanische Diplomat wollte auch nicht bestätigen, dass es sich bei dem Toten um den Halbbruder des Machthabers handelt. Er nannte ihn bei dem Namen, der in seinem Reisepass stand: Kim Chol. Bekannt ist jedoch, dass Kim Jong-nam zuvor schon mit anderen Papieren unterwegs war.

          Malaysia führt Visumspflicht für Nordkorea wieder ein

          Unterdessen kündigte Malaysia an, für nordkoreanische Staatsbürger die Visumspflicht wieder einzuführen. Vize-Ministerpräsident Zahid Hamidi begründete diese Entscheidung mit Sicherheitsbedenken. Die neue Regelung werde am Montag in Kraft treten. Bislang kamen Nordkoreaner für einen Aufenthalt von 30 Tagen ohne Visa in das südostasiatische Land.

          Wegen des Giftmords hat Malaysia bereits Anklage gegen die beiden mutmaßlichen Attentäterinnen im Alter von 25 und 29 Jahren erhoben. Aus Mangel an Beweisen soll ein Nordkoreaner, der seit zwei Wochen in Malaysia in Untersuchungshaft saß, am Freitag abgeschoben werden, wie die Staatsanwaltschaft erklärte. Es war zunächst unklar, welche Rolle er bei dem Anschlag in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur vor rund zwei Wochen gespielt hatte. Nach sieben weiteren Verdächtigen aus Nordkorea wird noch gesucht. Die Tat hat die Beziehung zwischen beiden Ländern erheblich belastet.

          Rückblick 2017 : Frauen wegen Mord an Kims Halbbruder angeklagt

          Kim Jong-nam lebte mit seiner Familie in Macau unter dem Schutz der chinesischen Regierung. Er hatte sich kritisch über die Familiendynastie in seiner Heimat geäußert. Südkoreanische und amerikanische Regierungsvertreter gehen davon aus, dass der Mord von Nordkorea inszeniert wurde. Südkoreanischen Regierungskreisen zufolge erteilte Nordkoreas Machthaber bereits vor Jahren den Auftrag zur Ermordung seines älteren Halbbruders.

          Weitere Themen

          Hamas feuert 130 Raketen auf Tel Aviv

          Gewalt in Nahost : Hamas feuert 130 Raketen auf Tel Aviv

          Militante aus dem Gazastreifen feuern am Abend mehr als hundert Raketen auf Zentralisrael. Im Großraum Tel Aviv kommt es immer wieder zu schweren Explosionen. Mindestens ein Mensch stirbt.

          Hackerangriff legt Pipeline in den USA lahm Video-Seite öffnen

          Erpressungstrojaner : Hackerangriff legt Pipeline in den USA lahm

          Die größte Pipeline der USA ist kürzlich Ziel eines Hackerangriffs geworden. Ein Erpressungstrojaner hat das gesamte Rohrleitungsnetz von Texas bis New York vorübergehend stillgelegt. Die US-Bundespolizei FBI macht eine Hackergruppe namens Darkside für den Cyberangriff verantwortlich.

          Topmeldungen

          Ausmaß der Zerstörung: eine Straßenkreuzung in Cholon, Israel

          Gewalt in Nahost : Hamas feuert 130 Raketen auf Tel Aviv

          Militante aus dem Gazastreifen feuern am Abend mehr als hundert Raketen auf Zentralisrael. Im Großraum Tel Aviv kommt es immer wieder zu schweren Explosionen. Mindestens ein Mensch stirbt.
          Ende einer Quälerei: In wenigen Tagen werden Präsident Keller und Generalsekretär Curtius (links) den Deutschen Fußball-Bund verlassen.

          Keller, Curtius und Koch : Befreiungsschlag beim DFB

          Präsident Fritz Keller zieht sich zurück, Friedrich Curtius gibt auf, Rainer Koch verzichtet auf eine Wiederwahl: Fast die gesamte Führung des DFB macht den Weg frei für einen Neuanfang.
          Die Intensivstation der Universitätsklinik Frankfurt mit Coronapatienten im April 2020

          Anhaltend hohe Todeszahlen : Wer jetzt noch an Corona stirbt

          Noch verzeichnet Deutschland jede Woche mehr als tausend Covid-Todesfälle. Viele sterben weder im Altenheim noch auf der Intensivstation. Doch wo dann? Die Suche nach der Antwort ist kompliziert.
          Die EZB erwartet eine steigende Inflation. Allerdings meint sie, der Anstieg sei nur vorübergehend.

          Steigende Preise : Was Sparer zur Inflation wissen müssen

          Alles rund ums Bauen wird teurer, aber auch viele Lebensmittel und vor allem Heizöl und Benzin. Steigt mit dem Abklingen der Pandemie die Inflation? Und wie können sich Sparer rüsten?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.