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Chronik : Die Briten und der Terror

  • Aktualisiert am

Fahne auf Halbmast in London am Dienstag Bild: AFP

Die Geschichte des Terrorismus in Großbritannien ist lang. Über Jahrzehnte bombte und mordete die IRA. Verglichen damit ist die Bedrohung durch radikale Islamisten noch recht jung. Aber nicht weniger gefährlich.

          2 Min.

          In den siebziger, achtziger und neunziger Jahren halten die Anschläge der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) Großbritannien in Atem. Die Terroristen greifen Pubs, U-Bahn-Stationen, das Finanzviertel, die Londoner Docklands und das Kaufhaus Harrods an. Im Oktober 1984 entkommt die damalige Premierministerin Margret Thatcher knapp einem Attentat im Grand Hotel in Brighton, wo sie sich auf ihre Rede auf dem Parteitag der Tories vorbereitet. Fünf prominente Mitglieder ihrer konservativen Partei werden durch die Bombe getötet.

          Die meisten Todesopfer zählt der Anschlag auf den Pan-Am-Flug 103 im Dezember 1988, hinter dem Libyens damaliger Machthaber Muammar al Gaddafi vermutet wird. In der amerikanischen Boeing auf dem Weg nach Detroit befanden sich 259 Menschen. Alle kommen ums Leben, als die Bombe auf einer Flughöhe von fast 10.000 Metern explodiert. Das Flugzeug stürzt über dem schottischen Lockerbie ab, wo elf Einwohner getötet werden. Obwohl sich die Tat im britischen Luftraum ereignet, wird sie als Anschlag auf die Vereinigten Staaten gesehen. 189 der Insassen waren Amerikaner. Gaddafi soll den Anschlag persönlich befohlen haben.

          Konvertiert und radikalisiert

          Der erste islamistische Selbstmordanschlag auf britischem Boden geht unter der Bezeichnung 7/7 in die Geschichte ein: Sogenannte Rucksackbomber lösen am Morgen des 7. Juli 2005 vier Explosionen in der Londoner U-Bahn und in einem Doppeldeckerbus aus. Dabei werden einschließlich der Attentäter 56 Menschen getötet und an die 700 verletzt. Drei der vier Attentäter sind Briten pakistanischer Abstammung, der vierte wurde in Jamaika geboren. Einer der Pakistaner, Mohammad Sidique Khan, hinterlässt ein Bekennervideo, in dem er die britische Gesellschaft und insbesondere die damalige Regierung von Tony Blair anklagt. Hinweise auf eine Verbindung der Täter zur Terrorgruppe Al Qaida bestätigen sich nicht.

          Auf den Tag genau zwei Wochen später werden wieder mehrere Sprengsätze in Londoner U-Bahnen und einem Bus entdeckt. Doch der Anschlag scheitert, weil die Bomben nicht detonieren. Einer der Täter bekommt noch im letzten Moment Zweifel und wirft seinen Rucksack weg. Bis auf einen Verletzten kommt niemand zu Schaden. Dennoch werden die sechs Täter, die aus Afrika stammen, zu hohen Haftstrafen verurteilt. Ihr Anführer hat sich in Pakistan im Bombenbau ausbilden lassen.

          Auch in den Jahren danach gibt es immer wieder kleinere Anschläge, andere werden verhindert oder scheitern – wie der Angriff auf den Flughafen von Glasgow: Ein Inder und ein Iraker steuern einen mit Gasflaschen beladenen Jeep in das Hauptterminal, doch der Wagen wird durch Poller gestoppt, bevor er explodiert. Die Polizei nimmt die beiden Männer fest, einer erliegt später seinen Brandverletzungen.

          Der nächste größere islamistische Anschlag ereignet sich am 22. März 2017. Der Attentäter Khalid Masood, ein Brite, überfährt mit einem Auto mehrere Fußgänger auf der Westminister-Brücke im Zentrum Londons. Vor dem Westminister-Palast rammt der Wagen den Zaun, der Täter steigt aus und ersticht einen Polizisten. Dessen Kollegen erschießen Masood. Von den Opfern auf der Brücke erliegen vier ihren Verletzungen. Die Behörden gehen von einem islamistischen Hintergrund aus. Masood war als Adrian Elms in Großbritannien geboren worden und später zum Islam konvertiert. Am Tag nach dem Anschlag reklamiert der IS die Tat für sich. Über den Weg, wie sich Elms radikalisierte, ist noch wenig bekannt.

          Bei dem Anschlag auf Konzertbesucher in Manchester an diesem Dienstag werden weit mehr Menschen getötet. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Aber IS-Sympathisanten feiern schon. Einer von ihnen kündigte den Anschlag offenbar schon Stunden zuvor auf Twitter an.

          Explosion nach Konzert : Viele Tote bei Selbstmordanschlag in Manchester

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