https://www.faz.net/-gpf-afxmx

Terrorchef in Afrika getötet : Macron lobt „großen Erfolg“ im Kampf gegen Terror

„Wichtiger Erfolg“: die französische Verteidigungsministerin Florence Parly am Donnerstag auf einer Pressekonferenz zur Tötung al-Sahrawis in Paris Bild: AFP

Französische Einheiten haben bereits im August den Chef eines IS-Ablegers in der Sahelzone getötet. Doch die Zusammenarbeit mit der Militärjunta in Mali gestaltet sich immer schwieriger.

          2 Min.

          Frankreich hat einen „wichtigen Erfolg“ im Kampf gegen islamistische Terrorgruppen in der Sahelzone vermeldet. Wie die französische Verteidigungsministerin Florence Parly am Donnerstag bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz in Paris erläuterte, sei der Chef der Terrororganisation „Islamischer Staat in der Sahara“ (ISGS) bereits im August „nach 18 Monaten intensiver Fahndung“ bei einem Einsatz der sogenannten Barkhane-Operation getötet worden.  

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Terrorchef Adnan Abu Walid al-Sahrawi sei für die meisten der jüngsten Terroranschläge in Mali, Niger und Burkina Faso verantwortlich gewesen. „Er entschied alles“, sagte Parly. Sie bezeichnete ihn als „Nummer eins“ der Terrororganisation. Die Zahl der von ihm verantworteten Terroropfer bezifferte die Verteidigungsministerin auf mehr als 1000 Menschen, „die meisten waren Muslime“. Der Terrorchef soll unter anderem für die Ermordung sechs französischer Entwicklungshelfer der Organisation Acted im Jahr 2020 verantwortlich gewesen sein.

          Frankreich will Truppenpräsenz halbieren

          Auch die Vereinigten Staaten hatten wegen eines tödlichen Angriffs auf US-Truppen im Niger im Jahr 2017 ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Bereits in der Nacht teilte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit, dass ein entscheidender Schlag gegen die Terrororganisation gelungen sei. „Dies ist ein weiterer großer Erfolg in unserem Kampf gegen terroristische Gruppen in der Sahelzone“, twitterte der Präsident. Die französischen Truppen haben seit Beginn des Militäreinsatzes in Mali im Jahr 2013 mehrere ranghohe Mitglieder des ISGS getötet.

          Macron hat im Juli das Ende des französischen Kampfeinsatzes Barkhane für Anfang 2022 angekündigt. Die Zahl der Soldaten soll bis 2023 halbiert werden. Derzeit sind 5100 französische Soldaten in der Sahelzone im Einsatz. Frankreich will bis Jahresende seine Militärstützpunkte in Kidal, Timbuktu und Tessalit im Norden Malis schließen.

          „Nach 18 Monaten intensiver Fahndung“ wurde Terrorchef Adnan Abu Walid al-Sahrawi im August von der französischen Einheit Barkhane getötet.
          „Nach 18 Monaten intensiver Fahndung“ wurde Terrorchef Adnan Abu Walid al-Sahrawi im August von der französischen Einheit Barkhane getötet. : Bild: dpa

          Das militärische Engagement soll von der „Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali“ (MINUSMA) weitergeführt werden. Macron setzt auf eine Stärkung der Mission, an der auch die Bundeswehr mit bis zu 1100 Soldaten beteiligt ist. Die Bundeswehr ist im Rahmen der EU-Ausbildungsmission EUTM zudem mit bis zu 600 weiteren Soldaten und Soldatinnen in Mali vertreten. Seit dem vergangenen Jahr gibt es auf Initiative Frankreichs in der Region auch die europäische Eingreiftruppe namens Takuba. Den „Krieg gegen den Terror“ will Frankreich insbesondere von Nigers Hauptstadt Niamey aus weiterführen. Dort ist das Takuba-Hauptquartier. Weitere Stützpunkte bleiben die tschadische Hauptstadt N'Djamena sowie in Mali die Städte Gao und Menaka.

          Keine Beweise für Vertrag mit Wagner-Söldnern

          Zwischen der Militärjunta in Mali und der französischen Regierung herrscht derweil immer mehr Unstimmigkeit. Der selbsternannte Staatschef, Oberst Assimi Goita, verhandelt nach französischen Informationen mit der russischen Söldnertruppe Wagner, um die französischen Soldaten durch russische Söldner zu ersetzen. In der Zentralafrikanischen Republik war der Einsatz der Wagner-Söldner von einer massiven antifranzösischen Kampagne begleitet. Frankreich befürchtet, dass in den ehemaligen Kolonien Westafrikas nun eine ähnliche Kampagne beginnen könnte. Verteidigungsministerin Parly sagte am Donnerstag: „Wir haben keine Beweise für einen Vertrag zwischen der Wagner-Gruppe und der malischen Staatsführung.“ Sollte es zu einem solchen Vertrag kommen, sei die französische Militärpräsenz nicht mehr zu rechtfertigen.

          Die politische Situation in Mali ist von zunehmender Instabilität geprägt. Die meist islamistisch motivierte Gewalt hat sich in den vergangenen Jahren auf die benachbarten Länder in der Sahel-Zone ausgebreitet. Zehn Milliarden Euro hat der Auslandseinsatz Frankreich bislang nach Berechnungen des Senats gekostet. Der rechtsbürgerliche Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Senat, Christian Cambon, sagte kürzlich: „Es ist nicht Frankreichs Aufgabe, auf ewig in Mali zu bleiben.“

          Der Leiter des Regionalprogramms Sahel der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) mit Sitz in Bamako, Thomas Schiller, kommentierte die Tötung al-Sahrawi denn auch so: „Es ist ein Erfolg, wenn man so will. Aber taktische Erfolge hat Barkhane viele.“ An den fundamentalen Problemen in der Region wie dem Fehlen staatlicher Strukturen ändere es jedoch nichts.

          Weitere Themen

          Grünes Licht für die „Ampel“ Video-Seite öffnen

          Votum der Delegierten : Grünes Licht für die „Ampel“

          Der Länderrat der Grünen stimmt der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit SPD und FDP zu. Der SPD-Vorstand hat den Weg für die Aufnahme der Verhandlungen bereits freigemacht.

          Topmeldungen

          Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Olaf Scholz, SPD-Kanzlerkandidat und Bundesminister der Finanzen und Christian Lindner, Fraktionsvorsitzender und Parteivorsitzender der FDP, am 15. Oktober in Berlin.

          Regierungsbildung in Berlin : Sieht so der Aufbruch aus?

          Die Spezialität der Sondierer von SPD, Grünen und FDP scheinen bisher vor allem Worte zu sein. Ein Aufbruch verlangt aber Taten.
          Klare Sache: Serge Gnabry (links), Leon Goretzka und der FC Bayern lassen aufhorchen.

          5:1 in Leverkusen : FC Bayern sorgt für Bayer-Debakel

          Fünf Tore in einer Halbzeit: Bayer Leverkusen geht gegen den FC Bayern unter. Die Münchner übernehmen damit wieder die Tabellenführung – und ärgern sich am Ende dennoch über ein Gegentor.
          90 Prozent der Polen haben sich in neuen Umfragen für den Verbleib in der EU ausgesprochen.

          Polexit-Pläne : Kampf gegen die „Besatzer“ aus Brüssel

          Nach dem Urteil des Verfassungsgerichts ist die Lage in Polen ernst. Regierungspolitiker spielen mit der Idee eines unabhängigen Polens, dabei profitiert das Land von der EU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.