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Nach Anschlag in Suruc : Türkei will Grenze zu Syrien besser schützen

Opfer des Anschlags von Suruc wurden am Dienstag begraben. Bild: AFP

Als Reaktion auf den Anschlag von Suruc will die türkische Regierung die Grenze zu Syrien besser überwachen. Die Suche nach dem Täter haben mittlerweile Spezialeinheiten übernommen.

          Das türkische Kabinett will bei seiner wöchentlichen Sitzung am Mittwoch über Maßnahmen beraten, um die Grenze zu Syrien besser zu schützen. Das kündigte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu bei einem Besuch in der südosttürkischen Stadt Sanliurfa an. In einem Krankenhaus besuchte er Verletzte des Anschlags vom Montag in Suruc. Die Zahl der Getöteten war am Dienstag auf 32 gestiegen. Am Montag war im Garten eines Kulturzentrums in Suruc, zehn Kilometer nördlich der Grenze zu Syrien, eine Bombe explodiert. Dort hatten sich 300 Anhänger einer sozialistischen Jugendorganisation versammelt, die ins benachbarte Kobane nach Syrien reisen wollten, um dort Hilfe zu leisten.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Davutoglu, der von Verteidigungsminister Vecdi Gönül und Parlamentsabgeordneten begleitet wurde, sagte in einer Ansprache, die das türkische Fernsehen direkt übertrug, die Hinweise verdichteten sich, dass der Täter aus dem „Islamischen Staat“ stamme. Man sei kurz davor, die Identität des Täters festzustellen, sagte Davutoglu, der auf einen Besuch von Suruc verzichtete. Danach müsse ermittelt werden, welche Kontakte diese Person in der Türkei und in andere Länder gehabt habe. Während die Sicherheitskreise einen männlichen Täter für wahrscheinlich halten, schreiben kurdische Medien von einer mutmaßlichen Täterin im Alter von 18 Jahren.

          Türkische Medien weisen darauf hin, dass sich der Anschlag um den dritten Jahrestag der Übernahme von Kobane durch die kurdischen Volksverteidigungseinheiten ereignet habe. Kobane liegt nahe Suruc unmittelbar an der syrischen Grenze zu Türkei. Spezialeinheiten der türkischen Polizei werten derzeit die in Suruc eingesetzten Überwachungskameras und die Telefongespräche um den Zeitpunkt des Anschlags aus.

          Davutoglu versprach, die Hintermänner des Attentats aufzuspüren. Zudem forderte er alle politischen Parteien der Türkei auf, nationale Einheit zu demonstrieren. Die Türkei müsse gegenüber dem Terror Geschlossenheit zeigen, sagte Davutoglu. Die Toten seien alle Bürger der Türkei. Der Anschlag habe auf die Einheit der Türkei gezielt und sei damit in nichts verschieden von früheren Anschlägen, die Al Qaida und die kurdische Arbeiterpartei PKK verübt hätten.

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          Am Montagabend war es in mehreren Städten der Türkei zu Protesten gekommen. In Istanbul löste die Polizei eine Kundgebung mit Tränengas auf. Die wichtigsten Oppositionsparteien gingen nicht auf Davutoglus Forderung nach nationaler Einheit ein. Die größte Oppositionspartei CHP forderte ihrerseits einen Tag der nationalen Trauer und die Einrichtung eines Parlamentsausschusses, um den Anschlag zu untersuchen. Der Vorsitzende der prokurdischen Partei HDP, Selahettin Demirtas forderte die Einberufung einer Sondersitzung des Parlaments, um die Gefahr zu debattieren, die vom „Islamischen Staat“ ausgehe. An Davutoglu gerichtet sagte Demirtas, wenn jemand zur nationaler Einheit aufrufe, solle er zunächst die Täter der Anschläge während seiner Amtszeit identifizieren. Neben Suruc müsse der Anschlag vom Juni in Diyarbakir aufgeklärt werden, bei dem bei einer Wahlkampfveranstaltung seiner Partei vier Menschen getrötet worden waren. Der mutmaßliche Attentäter von Diyarbakir gehöre dem „Islamischen Staat“ an, sagte dessen Familie.

          Unterdessen kam es zu weiteren Zwischenfällen in der Türkei. Am Dienstag fanden Sicherheitskräfte an einer Straße nahe der überwiegend von Kurden bewohnten Stadt Tunceli 100 Kilogramm Sprengstoff und entschärften den Sprengsatz. Unterdessen gaben am Dienstagmorgen Unbekannte zehn Schüsse auf die Polizeistation des Istanbuler Stadtteils Sultangazi ab. Es gab keine Opfer. In Ankara verweigerte das Sicherheitspersonal der Parteizentrale der HDP, wo gerade der Vorstand tagte, die Annahme eines verdächtigen Blumenstraußes.

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