Blinken in Afrika : Plötzlich interessant

Mit Beginn des Ukrainekrieges ist Afrika zum beliebten Ziel für diplomatische Reisen geworden. Doch die Versäumnisse aus der Vergangenheit rächen sich.
Er hat sich Zeit gelassen. Fünf Tage lang ist der amerikanische Außenminister Blinken in Afrika gewesen, drei Länder hat er besucht. Er habe kein anderes Ziel, versicherte er zu Beginn seiner Reise: „Es geht um Afrika.“ Doch natürlich ging es um mehr. Der Ukrainekrieg hat offenbar werden lassen, wie wichtig Afrika für die geo- und sicherheitspolitischen Interessen des Westens ist – infolgedessen ist der Kontinent zum beliebten Reiseziel geworden.
Gäste aus Ost und West
Vor Blinken war Ende Juli der russische Außenminister Lawrow in Ostafrika, wo er sein Land als verlässlichen Partner des Kontinents darstellte. Zur selben Zeit tourte der französische Präsident Macron durch Westafrika, eine ähnliche Botschaft im Gepäck. Bereits Anfang April war Außenministerin Baerbock zu Besuch in Mali und Niger. Der Ukrainekrieg dürfe natürlich nicht von anderen Krisen ablenken, sagte sie. Die Botschaft auch hier: Wir sind da für euch.
Afrika braucht den Westen, aber der Westen braucht auch Afrika. Das haben westliche Politiker in den vergangenen Jahren immer wieder betont. Zu der vielbeschworenen Partnerschaft auf Augenhöhe ist es jedoch nicht gekommen. Das rächt sich nun. Zahlreiche afrikanische Länder haben sich geweigert, den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zu verurteilen. Für den Westen könnte das ein Weckruf gewesen sein, die Besuche auf dem Kontinent zeigen, dass er offenbar gehört wurde. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht zu spät war.






