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Nigeria : Skepsis über angeblichen Tod von Boko-Haram-Chef

  • -Aktualisiert am

Ein Videoausschnitt, auf dem Abubakar Shekau zu sehen sein soll Bild: AFP

Der Anführer der islamistischen Sekte Boko Haram ist nach Angaben nigerianischer Einsatzgruppen an den Folgen einer Schusswunde gestorben. Der eigene Generalstab ist sich derweil nicht ganz so sicher.

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          Die Meldung über den angeblichen Tod des Führers der radikal-islamischen Sekte Boko Haram, Abubakar Shekau, ist am Dienstag in Nigeria mit großer Skepsis aufgenommen worden. Ein Sprecher der Einsatzgruppen der nigerianischen Armee im Norden des Landes hatte am Montagabend den „mutmaßlichen Tod“ des Sektenführers „zwischen dem 25. Juli und 3. August“ bekanntgegeben.

          Demnach sei Shekau bereits am 30. Juni bei einem Feuergefecht mit Soldaten nahe der kamerunischen Grenze schwer verletzt worden und einige Zeit später in einer kamerunischen Ortschaft namens Amitchide an den Folgen seiner Verletzungen gestorben. Ein Sprecher des Generalstabes der nigerianischen Armee in der Hauptstadt Abuja wollte die Informationen aus dem Norden nicht bestätigen und sagte am Dienstag, man sei dabei, die Meldung „zu prüfen“. 

          Schon mehrfach für tot erklärt

          Die allgemeine Skepsis ist den regelmäßigen Falschmeldungen der nigerianischen Armee zu Boko Haram geschuldet. Der mutmaßlich 44 Jahre alte Shekau war bereits im Jahr 2009 für tot erklärt worden, als bei einem Amoklauf der Sekte in der nordnigerianischen Stadt Maiduguri mehr als 800 Menschen ums Leben kamen. Shekau war damals Stellvertreter des Sektenführers Mohammed Yousouf, der in Maiduguri festgenommen und in der Haft von Polizisten totgeschlagen worden war. Zwei Jahre später, im Jahr 2011, hatte die Armee gemeldet, Shekau verhaftet zu haben.

          Auch das war falsch. Die Soldaten hatten vielmehr einen Händler festgesetzt, der aus der Ortschaft Shekau im Bundesstaat Yobe stammte, in der auch der Terrorführer aufgewachsen sein soll. Und für die Behauptung, bei der seit Mai laufenden Militäroffensive gegen Boko Haram im Norden Nigerias sei Anfang August die gegenwärtige Nummer zwei der Sekte, Momodu Bama, getötet worden, liegt bislang ebenfalls keine Bestätigung von unabhängiger Seite vor. 

          Vor allem aber hatte Boko Haram am 12. August und damit knapp zehn Tage nach dem angeblichen Tod ihres Anführers ein Video verbreitet, in dem Abubakar Shekau die Verantwortung für etliche Attentate übernahm, die sich alle nach dem 3. August zugetragen haben. Die nigerianische Armee tat das Video am Dienstag als „Fälschung“ ab und behauptete, der in der kurzen Aufnahme zu sehende Mann sei nicht Shekau, sondern „ein Schauspieler“. Selbst wenn die Meldungen vom Tod Abubakar Shekaus und Momodu Bamas zutreffen, scheint dies kaum Einfluss auf den Organisationsgrad oder die Schlagkraft der Terrorgruppe zu haben. Seit Anfang August ist es im Norden Nigerias zu einem halben Dutzend Überfällen und Attentaten gekommen, bei denen mindestens 70 Menschen getötet wurden. Von den Attentätern wurde nicht ein einziger gefasst.

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