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Neue Griechenland-Hilfe : Juncker: „Das ist das letzte Paket“

  • Aktualisiert am

Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker Bild: AFP

Die Regierungschefs der Euro-Staaten hoffen mit dem zweiten Paket für Griechenland, das Ruder herumgerissen zu haben. Eurogruppen-Chef Juncker sagt, die Zeit des Schnürens kleiner Päckchen alle paar Monate sei vorbei.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach dem EU-Krisengipfel die beschlossene Griechenland-Hilfe gelobt. „Europa hat sich handlungsfähig gezeigt. Was wir Deutschen für einen stabilen Euro aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück“, sagte Merkel. Die Abwendung der Euro-Krise bezeichnete sie als „historische Aufgabe“. Gegen Kritik, die Beschlüsse würden den Weg Europas in eine Transferunion zementieren, wehrte sich die Kanzlerin: „Eine Transferunion, so wie ich sie verstehe, wäre ein automatischer Finanzausgleich“, sagte Merkel am Freitag in Berlin. Einen solchen Automatismus gebe es aber nicht.

          Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou zeigte sich erleichtert über die Beschlüsse. Das Paket schaffe „einen tragbaren Weg für Griechenland“. Seine Regierung sei entschlossen, Reformen umzusetzen, um die Bedingungen für das Hilfspaket zu erfüllen, sagte der Ministerpräsident und fügte hinzu, dass die Entscheidung vom Donnerstag „eine sehr starke Botschaft der Unterstützung an den Bankensektor“ schicke.

          Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos versprach mit markigen Worten, er werde die unpopuläre Sparpolitik fortsetzen. Ziel sei es, schon vom nächsten Jahr an einen Primärüberschuss vor Zinsen im Staatshaushalt zu erwirtschaften. Der europäische „Marshallplan“ werde Griechenland wieder auf Kurs bringen.

          „Das machen wir nur für Griechenland”: Nicolas Sarkozy
          „Das machen wir nur für Griechenland”: Nicolas Sarkozy : Bild: AFP

          Sarkozy: „Wir werden es für kein anderes Land machen“

          Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy sagte mit Blick auf die Bankenbeteiligung: „Das machen wir nur für Griechenland, wir werden es für kein anderes Land der Euro-Zone machen. Wir sagen klar und deutlich, dies ist ein Sonderfall.“ Er verglich die Transformation des Euro-Rettungsschirms mit der Schaffung eines „Europäischen Währungsfonds“.

          Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker erklärte, die Zeit des Schnürens kleiner Päckchen für Griechenland alle paar Monate sei vorbei: „Das ist das letzte Paket.“ Investoren reagierten erleichtert auf die Einigung. Griechenland soll der einzige Fall mit Gläubigerbeteiligung bleiben. Der Euro stieg auf über 1,44 Dollar und damit den höchsten Stand seit zwei Wochen.

          Bankaktien steigen

          An den Börsen stiegen die meisten Aktien von Finanzinstituten am Freitag europaweit. In Deutschland gehörten die Aktien der Commerzbank mit plus 1,93 Prozent zu den stärksten Werten. Schon am Vortag waren sie um knapp zehn Prozent geklettert. Auch die Papiere des deutschen Branchenprimus Deutsche Bank gingen am Freitag nach oben. Auch griechische Aktien stiegen in der Folge der Brüsseler Hilfsbeschlüsse. Der wichtigste Index legte zum Vormittag um 3 Prozent zu.

          Die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Länder hatten sich am Donnerstagabend auf ein neues Rettungspaket für Griechenland geeinigt, an welchem auch private Investoren beteiligt werden sollen (siehe EU-Sondergipfel: Neues 109-Milliarden-Hilfspaket für Griechenland). Zudem soll der Rettungsschirm EFSF mit neuen Kompetenzen ausgestattet werden, um eine weitere Ausbreitung der Schuldenkrise im gemeinsamen Währungsraum zu verhindern. Griechenland soll aus dem Rettungsfonds EFSF und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) insgesamt neue Kredite über 109 Milliarden Euro erhalten. Diese sind auf einen Zeitraum von drei Jahren angelegt und sollen mit etwa 3,5 Prozent verzinst werden, was deutlich unter dem Zinssatz liegt, den Griechenland bislang für seine Kredite aus dem im vergangenen Jahr beschlossenen Hilfspaket zahlt. Die Laufzeiten für die neuen Kredite soll zwischen 15 und 30 Jahren betragen.

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