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Angeschlagener Netzwerkausrüster : Nokia Siemens erwägt stärkeren Stellenabbau

Mitarbeiter-Proteste in München Bild: dpa

Der geplante Stellenabbau bei Nokia Siemens könnte noch höher ausfallen, als bislang angekündigt. Nach Informationen der F.A.Z. könnten insgesamt 4000 Mitarbeiter betroffen sein.

          4 Min.

          Die Sanierung der angeschlagenen Nokia Siemens Networks (NSN) wird in Deutschland voraussichtlich ein größeres Ausmaß annehmen als noch zur Wochenmitte angenommen. Nach Informationen der F.A.Z. könnte der angekündigte Abbau von 2900 Arbeitsplätzen noch höher ausfallen. Zusammen mit geplanten Veräußerungen von Randaktivitäten und der - wohl einkalkulierten - geringeren Akzeptanz von Umzugsangeboten könnten mehr als 4000 der 9100 Mitarbeiter betroffen sein.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Darauf lassen Aussagen und Andeutungen schließen, die von der Geschäftsführung des deutsch-finnischen Netzwerkausrüsters in den vergangenen Tagen gegenüber den Mitarbeitern gemacht worden sind. Im Blickpunkt steht dabei fast ausschließlich die Zentrale in München, die bis Ende dieses Jahres geschlossen werden soll. Wie zu hören ist, strebt das Management anscheinend an, die Zahl der Stellenstreichungen in München über die bislang angenommenen 2000 Arbeitsplätze hinaus zu erhöhen. Damit ist auch nicht auszuschließen, dass die verkündete Gesamtzahl von 2900 abzubauenden Stellen höher ausfallen könnte. Aus dem Umfeld des Unternehmens ist zu vernehmen, dass die Aussagen des hochdefizitären Gemeinschaftsunternehmens von Siemens und Nokia zum Teil widersprüchlich und diffus sind. So war es schon im November, als NSN den Abbau von 17.000 der weltweit 71.000 Beschäftigten angekündigt hatte. Am vergangenen Dienstag teilte NSN mit, dass der Standort München mit 3600 Mitarbeitern geschlossen werden soll.

          Das Unternehmen hat nie Gewinn erzielt

          Rund 1600 Mitarbeitern werde ein Umzug angeboten. Der mit Abstand größte Teil entfällt auf Münchner Mitarbeiter, die zu den fünf Standorten Berlin, Düsseldorf, Bonn, Bruchsal und Ulm wechseln sollen. Gewissheit gibt es noch nicht, da NSN nach Angaben einer Sprecherin auch in München Teile verkaufen will, etwa die Festnetzaktivitäten. Vom Ausgang hängt die tatsächliche Höhe des Stellenabbaus und der Verlagerung von Arbeitsplätzen ab.

          NSN hat seit der Gründung 2007 noch nie Gewinn erzielt. Nun sollen die Kosten um 1 Milliarde Euro sinken, im nächsten Jahr soll das Unternehmen einen Gewinn erzielen. Im Unternehmensumfeld wird vermutet, dass die von Nokia und Siemens im Herbst vergangenen Jahres gegebene Liquiditätsspritze von 1 Milliarde Euro für die Sanierung komplett aufgebraucht werden muss, wenn nicht sogar mehr.

          Umstrittenes Umzugsangebot

          Schon jetzt zeichnet sich ab, dass ein beachtlicher Teil der Münchner Beschäftigten das anstehende Umzugsangebot nicht annehmen dürfte, worauf die NSN-Geschäftsführung offenbar setzt. Dafür spricht nicht zuletzt die Altersstruktur der Belegschaft. Deren Durchschnittsalter liegt zurzeit bei 49 Jahren. 1500 Beschäftigte sind älter als 50 Jahre, rund 1600 zwischen 40 und 49 Jahre alt. Gerade für die älteren Beschäftigten dürfte es allerdings auch schwierig werden, in München eine neue Stelle zu finden.

          NSN-Finanzvorstand Marco Schröter hatte am Dienstag betont, das Umzugsangebot an 1600 Mitarbeiter sei kein verdecktes Restrukturierungsprogramm. Um den Umfang des Stellenabbaus insgesamt abzuschätzen, muss zudem der Verkauf von Randaktivitäten berücksichtigt werden, der angeblich schon auf Hochtouren läuft. Allein mit der Abgabe des Breitbandgeschäfts fallen schon 300 Arbeitsplätze aus dem NSN-Verbund heraus. Es wird geschätzt, dass darüber hinaus eine hohe dreistellige Zahl von Arbeitsplätzen von den geplanten Verkäufen betroffen sein könnte, verbunden mit einer unsicheren Zukunft für die Beschäftigten.

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