Merz in Japan : Deutschland und Japan als „Premiumpartner“

Bundeskanzler Friedrich Merz wirbt in Japan für eine globale Allianz für regelbasierten Handel. Beide Länder wollen sich zudem für eine „menschenzentrierte KI“ einsetzen.
Deutschland und Japan wollen in der sicheren Versorgung mit Halbleitern, beim Zugang zu kritischen Mineralien wie Seltenen Erden und in der Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz enger zusammenarbeiten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte gegenüber der japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi in Tokio am Mittwoch, dass beide Länder vor ähnlichen Herausforderungen stünden. „Wir sind weit entfernt, aber trotzdem Nachbarn“, sagte Merz. Takaichi bezeichnete Deutschland und Japan als „Premiumpartner“, die gegenseitig ihre wirtschaftliche Sicherheit erhöhen.
Wie das aussehen kann, hatte Merz zuvor in einer Rede vor deutschen und japanischen Wirtschaftsvertretern erläutert. „Wenn globale Lieferketten politisch instrumentalisiert werden, wenn der freie Zugang zu Schlüsseltechnologien erschwert wird, wenn Rohstoffsicherung zu Machtpolitik eingesetzt wird, dann gefährdet das Wachstum, Wohlstand und letztlich die Sicherheit ganzer Regionen“, sagte Merz.
Der Kanzler warb für seine Idee einer globalen Allianz für die regelbasierte Handelsordnung, mit denen sich die Mittelmächte gemeinsam gegen wirtschaftlichen Druck von Großmächten wie China, aber auch der Vereinigten Staaten stärken können. „Wenn wir gemeinsam vorangehen, wird die Frage nicht mehr sein, ob wir ‚auf der Speisekarte stehen‘ oder ‚am Tisch sitzen‘“, sagte Merz. „Denn dann gehört uns gemeinsam das ganze Restaurant.“
Merz will von Japan lernen
In Bezug auf Seltene Erden gilt Japan als vorbildlich in der Diversifizierung. Als China im Jahr 2010 schon einmal kurzfristig seine Lieferungen dieser für viele Industrien essenziellen Mineralien herunterfuhr, hat das Land innerhalb kurzer Zeit seine Abhängigkeit in diesem Markt von dem großen Nachbarland von mehr als 90 Prozent auf weniger als 60 Prozent verringert. Einerseits hat das Land neue Quellen etwa in Australien und Malaysia erschlossen, aber auch durch technologischen Fortschritt den Einsatz Seltener Erden verringert.
Merz ist nicht der Erste, der in puncto Rohstoffen von Japan lernen will. Schon im Jahr 2018 gab der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die Devise aus, sich unabhängiger von Importen aus China zu machen. Doch die Mühlen in Berlin mahlen langsam. Katherina Reiche (CDU) ist derzeit die dritte Wirtschaftsministerin, die das Thema auf dem Tisch hat.
„Hochrangiger KI-Dialog“ geplant
Inzwischen gibt es zwar einen Rohstofffonds, der nach japanischem Vorbild aufgezogen wurde und über den Unternehmen günstig an Fördermittel für neue Wege in der Rohstoffversorgung kommen sollen. Genutzt wird er aber bislang wenig. Im Zuge der Haushaltsplanungen für das Jahr 2027 ist vorgesehen, den Fonds auf 1,5 Milliarden Euro aufzustocken. Parallel läuft auf EU-Ebene ein Prozess, der nicht mehr rein auf ein freiwilliges De-Risking in der Rohstoffversorgung setzt. Auf dem G-7-Gipfel in Evian haben die großen Industrieländer, zu denen auch Japan zählt, zudem vereinbart, den Unternehmen konkrete Diversifizierungsvorgaben zu machen.
In der Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz wollen Deutschland und Japan sich für eine „menschenzentrierte und wertebasierte KI“ starkmachen, sagte Merz. Der Kanzler und Takaichi kündigten einen „hochrangigen KI-Dialog“ der beiden Länder an und wollten gemeinsam einen KI-Gipfel in Japan vorbereiten.
Auch in der Rüstungsindustrie sprachen sich beide für mehr Kooperationen aus. Merz sagte, dass Deutschland prüfen werde, sich an dem Gemeinschaftsprojekt GCAP zu beteiligen, in dessen Rahmen Japan mit Großbritannien und Italien ein neues Kampfflugzeug entwickelt. Das bisherige Konkurrenzprojekt FCAS von Deutschland und Frankreich ist vor wenigen Monaten gescheitert. Nach Angaben von Merz hätte Japan gerne bis Anfang des Jahres eine Entscheidung aus Berlin über eine mögliche Beteiligung. Er zeigte sich aber skeptisch, dass das so schnell gehe.
Kernfusion als weiterer Schwerpunkt
Insgesamt haben Merz und die ihn begleitende Wirtschaftsdelegation aus 30 Konzernchefs etwa genauso viele Kooperationen vereinbart oder Absichtserklärungen unterzeichnet. So will zum Beispiel der deutsche Drohnenhersteller Quantum Systems seine Präsenz in Japan ausbauen. Es gehe darum, eine industrielle Fertigung in dem Land aufzubauen, teilte das Unternehmen mit. Man baue dabei auf den bestehenden Beziehungen zu den japanischen Konzernen Mitsubishi Chemical und Panasonic auf. Es gehe darum, unbemannter Flugsysteme zu entwickeln und zu bauen, sie auch in Japan zu verkaufen und resilientere Lieferketten zu bilden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Kooperationen liegt in der Kernfusion. Japan ist wie Deutschland in hohem Maße abhängig von Rohstofflieferungen für seine Energie und sucht hier nach neuen Lösungen. Das in Tokio ansässige Start-up Kyoto Fusioneering will mit seinem Financier Mitsui & Co. und dem deutschen Unternehmen Siemens Energy eine neue Partnerschaft aufbauen, um diese zukunftsträchtige Form der Energieerzeugung weiter voranzutreiben, bei der in Fusionsreaktoren erzeugte Wärme in Strom umgewandelt wird. Auch mit dem deutschen Start-up Proxima Fusion, das zuletzt eine Finanzierungsrunde über 400 Millionen Dollar abschließen konnte, will Kyoto Fusioneering zusammenarbeiten.





