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Reaktion auf Corona-Krise : Amerikas Notenbank senkt die Leitzinsen

Jerome Powell Bild: AFP

Die mächtigsten Währungshüter der Welt reagieren auf die Ausbreitung des Virus früher und stärker als gedacht. Präsident Trump meldet sich sofort – und sagt, dass ihm das nicht reicht.

          4 Min.

          Die amerikanischen Notenbank Federal Reserve hat sich in einem dramatischen Schritt dazu entschlossen, die Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt zu senken in die Bandbreite zwischen 1 und 1,25 Prozent. Das Coronavirus stelle ein wachsende Risiko für die Wirtschaft dar, heißt es in der Stellungnahme der Währungshüter in Washington.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sie hoben hervor, dass die Fundamentaldaten für die amerikanische Wirtschaft nach wie vor stark seien. Die Entscheidung, die Zinsen zu senken, fiel einmütig. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte am Tag zuvor zum wiederholten Mal die Notenbanker um den Gouverneur Jerome Powell bedrängt, die Zinsen endlich zu senken.

          Unmittelbar nach der nun erfolgten Zinssenkung meldete er sich gleich wieder zu Wort – und teilte mit, dass ihm das nicht reiche. Die Zentralbank müsse die Leitzinsen noch weiter absenken, teilte er über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die Zinsen in Amerika seien immer noch höher als jene in Ländern, mit denen die amerikanische Wirtschaft konkurriere, beklagte der Präsident und schrieb: „Nicht fair für die Vereinigten Staaten.“

          Der Schritt der Federal Reserve wiederum ist auch beachtlich, weil er außerhalb des gewöhnlichen Sitzungsturnus des für Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses erfolgt. Zudem senken die Währungshüter den Leitzins stärker als üblich: In ruhigen Zeiten beschränken sie sich gewöhnlich darauf, die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte zu erhöhen oder zu senken.

          Am vergangenen Freitag hatte Notenbank-Präsident Powell schon angekündigt, die Wirkungen des Coronavirus auf die Volkswirtschaft sorgfältig zu beobachten und im Zweifel die zur Verfügung stehenden geldpolitische Instrumente zu nutzen. Powell reagierte damit auf eine Handelswoche, in der die Aktienkurse in Amerika so stark zurückgingen wie seit der Eskalation der Finanzkrise im Jahr 2008 nicht mehr. Als Reaktion auf die aktuelle Zinssenkung stiegen die Aktienkurse diesseits wie jenseits des Atlantiks zunächst – die Kursgewinne grenzten sich indes schon zeitnah wieder ein.

          „Die amerikanischen Währungshüter haben nicht lange gefackelt und den Worten ihres Chefs vom vergangenen Freitag Taten folgen lassen“, kommentierte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert: „Angesichts der dramatischen Zuspitzung der Lage an der Corona-Front in der vergangenen Woche wollte man die Finanzmärkte offenbar nicht mehr bis zur regulären Zinssitzung am 18. März warten lassen.“ Christian Keller, leitender Ökonom der Bank Barclays, sagte: „Wir hatten zwar mit einer Zinssenkung um 50 Basispunkte gerechnet, das aber erst am offiziellen Termin zur Zinssitzung. Es ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, warum die Fed bereits mit dieser Eile gehandelt hat. Möglicherweise ist dies damit zu  erklären, dass die Notenbank nach der Verlautbarung der G7-Länder jetzt auch handeln wollte.“

          Auch die EZB steht bereit

          Am frühen Nachmittag äußerte sich zudem die Gruppe der sieben großen Industrieländer (G7) entschlossen, eine Wirtschaftskrise als Folge der Corona-Epidemie zu bekämpfen. Man werde die weitere Ausbreitung des Virus und die Auswirkungen sorgfältig beobachten, teilten Amerikas Finanzminister Steven Mnuchin and Notenbankchef Jerome Powell nach einer Telefonkonferenz mit. Auch im Namen ihrer Amtskollegen bekräftigten sie die gemeinsame Absicht, alle Instrumente nutzen zu wollen, um ein Abrutschen der Wirtschaft zu verhindern.

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