Gipfel in Moskau : Auch Afrikaner fallen für Putin

Der Kreml inszeniert die russisch-afrikanische Freundschaft. Ein UN-Bericht beklagt derweil die Rekrutierung afrikanischer Männer für Putins Krieg.
Aus Moskau kommen neue Bilder russisch-afrikanischer Freundschaft. Man helfe den afrikanischen Ländern „in allen Bereichen“, stets auf Grundlage „souveräner Gleichheit, gegenseitigen Respekts und beiderseitigen Vorteils“, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums am Dienstag während eines „Medienforums“, das seit Montag den dritten Russland-Afrika-Gipfel ergänzt. Dieser findet an diesem Mittwoch und Donnerstag in Moskau statt.
Nach Angaben von Jurij Uschakow, dem außenpolitischen Berater des russischen Herrschers Wladimir Putin, sind dabei 48 der 54 afrikanischen Staaten vertreten, 22 von ihren Staatschefs. Uschakow hob hervor, beim vorherigen Russland-Afrika-Gipfel 2023 in Sankt Petersburg seien 17 der 48 Teilnehmerländer von ihren Staatschefs repräsentiert worden. Vor sieben Jahren, als der erste solche Gipfel in Sotschi stattfand, waren offiziell alle 54 afrikanischen Länder Putins Einladung gefolgt; 43 von ihnen, hieß es, seien durch den Staats- oder Regierungschef, elf anderwärtig vertreten gewesen.
Seinerzeit wurde viel über Russlands „Rückkehr nach Afrika“ gesprochen. Wie einst die Sowjetunion nutzt der Kreml dabei antiwestliche, aus dem Befreiungskampf gegen den Kolonialismus rührende Reflexe. Uschakow kündigte für Putins Auftritt am Donnerstag im Großen Kremlpalast, wo der Gipfel stattfindet, die in diesen Fällen üblichen Ausführungen zu einer „neuen Weltordnung auf Grundlage des Prinzips der Multipolarität und der Gleichheit aller unabhängigen Staaten“ an.
Ebenfalls am Donnerstag wird der für ein Hochglanzbild Russlands im Ausland zuständige Staatssender RT nach eigenen Angaben „Nachkommen legendärer afrikanischer Anführer“ versammeln, so eine Enkelin Nelson Mandelas. „Afrika“, wird dazu mitgeteilt, „ist eine der Schlüsselregionen für die Aktivitäten von RT.“
In Kenia gab es auch Kritik an Putins Gipfel
Die Wirkung dieser Gipfel- und Medienpropaganda überspielt den neokolonialen Zug von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine. Sie dürfte dazu beitragen, dass nach „überzeugenden Beweisen russische Behörden im Zusammenwirken mit Agenten oder Agenturen“ neben anderen Ausländern auch viele Afrikaner mithilfe von „Täuschung oder Zwang“ für Putins Streitkräfte rekrutieren und für „gefährliche Aufgaben an der Front in der Ukraine“ heranziehen können. Die Vorgehensweise dazu beschreibt der jüngste Bericht der Internationalen Untersuchungskommission zur Ukraine, die der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen eingerichtet hat.
Nachgewiesen sei dieser völkerrechtswidrige Menschenhandel für Bürger von insgesamt 29 Ländern. Darunter sind mit Botswana, Kamerun, Ghana, Kenia, Marokko, Nigeria, Südafrika, Somalia, Tunesien, Uganda und Simbabwe elf afrikanische Staaten. Die Opfer seien alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren gewesen und „stammten überwiegend aus benachteiligten und marginalisierten Bevölkerungsgruppen mit schwachen wirtschaftlichen Verhältnissen und einem niedrigen Bildungsniveau“, so die Analyse, die viele Medienberichte bestätigt. Das Außenministerium in Kiew teilte Mitte August mit, 486 von Russland rekrutierte Afrikaner seien gefallen, 35 weitere aus 17 Ländern in ukrainischer Gefangenschaft.
Insbesondere in kenianischen Medien gab es daher auch Kritik an Putins Gipfel. Allein aus Kenia wurden offiziell mehr als 300 Menschen von Russland als Kämpfer für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. Meist wussten die Betroffenen nicht, dass sie an der Front landen würden. Viele kamen ums Leben oder tauchten nicht mehr auf. Dennoch sollen Uschakow zufolge nun auch die Präsidenten Kenias, William Ruto, und Simbabwes, Emmerson Mnangagwa, unter Putins Gästen sein.
Für viele afrikanische Staatschefs passt die Teilnahme an dem Gipfel zu dem auch von ihnen skizzierten Wunschbild einer „multipolaren Welt“. Außerdem geht es um engere Wirtschaftsbeziehungen. Russland ist ein wichtiger Lieferant von Getreide und Dünger und seinerseits an Afrikas Rohstoffen und an Abkommen im Energiebereich interessiert. Knapp 20 afrikanische Staaten wollen mit Moskau zusammenarbeiten, um in die Kernenergie einzusteigen. Bisher gibt es nur ein Kernkraftwerk auf dem Kontinent, in Südafrika.
Ein punktueller militärischer Partner
Abseits der zelebrierten Nähe und der mancherorts fortbestehenden Beziehungen aus Zeiten der Befreiungskämpfe liegt Russland aber in den Statistiken zum Handel und den Direktinvestitionen in Afrika weit hinter China, der EU und den USA. Punktuell hat sich Russland als militärischer Partner angeboten für alte Verbündete wie die Zentralafrikanische Republik und jüngst für die Sahel-Staaten Mali, Burkina-Faso und Niger, die sich in einer Allianz zusammengeschlossen und westliche Truppen aus dem Land verwiesen haben.
Militärische Unterstützung trifft aber auch über diese drei Staaten hinaus in Westafrika auf Gehör. Senegal will Berichten zufolge den Gipfel nutzen, um ein „Sicherheitsabkommen“ zwischen Russland und der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS auf den Weg zu bringen. Ein senegalesischer General ist derzeit der Vorsitzende der ECOWAS-Kommission. Dagegen gibt es aber in der bisher westlich orientierten Gemeinschaft Widerstand.
Auf den Gruppenfotos zum Gipfel werden die Präsidenten der wichtigsten Wirtschaftsnationen, Südafrika und Nigeria, fehlen. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bleibt wegen des Wahlkampfs vor der Kommunalwahl kommende Woche im eigenen Land, schickt aber eine Delegation. Nigerias Präsident Bola Tinubu wird vom Vizepräsidenten vertreten.





