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Lange Studienzeiten : Bachelor-Studenten bummeln

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Bummel-Bachelor? Absolventen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn Bild: dpa

Kurze Studienzeiten galten bislang als wichtigster Erfolg der Bologna-Reform. Doch nun zeigt sich: Bachelor-Studenten in Deutschland brauchen bis zum Abschluss oft deutlich länger als geplant.

          Die durchschnittliche Studiendauer beim Bachelor-Abschluss liegt zum Teil deutlich über der Regelstudienzeit von sechs Semestern. Das geht aus Zusammenstellungen einzelner Bundesländer vor, die der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorliegen. In Nordrhein-Westfalen, wo rund ein Viertel der deutschen Studierenden eingeschrieben ist, machten die Bachelor im Jahr 2013 ihren Abschluss nach 8,64 Hochschulsemestern. In Berlin lag die mittlere Studiendauer an Universitäten im Jahr 2013 bei 7,8 Semestern. Die bayerischen Bachelor-Studenten an Fachhochschulen brauchten im Schnitt acht Semester. Die Bundesregierung wollte das Anwachsen der Studienzeiten auf Anfrage der F.A.S. nicht bestätigen. Eine Sprecherin von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) verwies darauf, dass das Statistische Bundesamt Ende September die offiziellen Zahlen für das Jahr 2013 vorlegen werde.

          Kurze Studienzeiten galten bisher als einziger durchschlagender Erfolg der Studienreform. 1999 hatten die Wissenschaftsminister in Bologna beschlossen, die Studienprogramme ganz Europas auf die angelsächsischen Abschlüsse Bachelor und Master umzustellen. Deutschland hatte ein besonderes Interesse daran, es wollte den Ruf loswerden, die ältesten Absolventen des Kontinents zu haben – mit im Schnitt 28 Jahren. Laut der jüngsten Auswertung des Statistischen Bundesamtes sind Masterabsolventen allerdings im Durchschnitt 29,1 Jahre alt.

          Für Hochschulpraktiker ist das Anwachsen der Studienzeiten nicht verwunderlich. „Die Studienzeiten in den Bachelor-Programmen waren bisher reine Phantomzeiten. Erst jetzt nähern wir uns den realen Werten“, sagt der Vize-Rektor für Lehre der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, Aloys Krieg. Ab jetzt kämen nach und nach auch die langsamen Bachelor über die Ziellinie. Kolja Briedis vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung sagt: „Am Anfang wurden in den Statistiken nur die Absolventen erfasst, die mit ihrer Studienzeit eine Punktlandung hatten. Wir erfahren die tatsächliche Studiendauer im Bachelor aber erst unter Volllastbedingungen.“ Inzwischen arbeiten drei Viertel der 2,4 Millionen deutschen Studenten auf den Bachelor hin.

          Für das Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und den Wissenschaftsrat sind die aktuellen Zahlen kein Thema. „Ein Papier zur Studiendauer ist derzeit nicht in Vorbereitung“, ließ der Wissenschaftsrat mitteilen, der die Bundesregierung berät. Das DZHW hat laut Bundesregierung zum letzten Mal im Jahr 2005 die Studienzeiten untersucht. Der Wissenschaftsrat ermittelte sie zuletzt 2009 und kam auf eine Durchschnitts-Dauer von nur 5,8 Semestern. Damals gab es 36.000 Bachelor-Absolventen in ganz Deutschland. Inzwischen verlassen um die 200.000 Studenten mit Bachelor die deutschen Hochschulen.

          Langzeitstudenten gehen in die durchschnittlichen Studienzeiten meist übrigens gar nicht ein. Der Sprecher eines Wissenschaftsministeriums begründet das so: „Dann gibt es keine Verzerrung, weil das letzte Viertel der Absolventen mit sehr langer Studiendauer nicht berücksichtigt wird.“ In Niedersachsen brauchten 2013 laut internen Tabellen etwa 500 Studierende die doppelte oder dreifache Regelstudienzeit. In NRW schlossen knapp 6500 Studenten nach zwölf oder mehr Semestern ihr Studium ab – eine Verdopplung gegenüber 2010.

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