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Ein Drittel Frauen : Die katholische Kirche verordnet sich eine Frauenquote

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Frauen demonstrieren während der Frühjahrsversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Franz-Josef Bohde steht im Vordergrund. Bild: dpa

Eine Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz zeigt, dass Frauen auf der Leitungsebene der Bistümer nach wie vor unterrepräsentiert sind. Ein groß angelegtes Mentoring-Programm soll das jetzt ändern.

          Die katholischen Bischöfe wollen den Anteil von Frauen auf der Leitungsebene der Bistümer in den kommenden vier Jahren auf mindestens ein Drittel steigern. Das kündigte der Vorsitzende der Unterkommission Frauen der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Franz-Josef Bode, am Dienstag in Lingen an.

          In den Bistumsverwaltungen ist der Anteil der Frauen auf den Chefetagen bereits in den vergangenen fünf Jahren gestiegen, wie aus einer in Lingen vorgestellten Studie hervorgeht. Nach wie vor sind sie dort aber unterrepräsentiert.

          Demnach sind heute 39 Frauen in der oberen Leitungsebene der Bistümer tätig. Dies ist ein Anteil von knapp 19 Prozent. Im Vergleich: 42 Prozent aller Personen auf dieser Ebene sind Männer, knapp 40 weitere Prozent Kleriker. Seit 2013 war der Frauenanteil bereits um sechs Prozentpunkte gestiegen. Dieser Zuwachs „ist nicht nichts, aber längst nicht zufriedenstellend“, sagte Bode.

          Die Zielvorgabe von einem Drittel werde 2023 überprüft, so der Osnabrücker Bischof. Bereits am Vortag hatte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, gesagt, dass er von seiner früheren Ablehnung einer verpflichtenden Frauenquote abgerückt sei.

          Laut Bode hat die Erhebung Faktoren benannt, die Frauen daran hindern, kirchliche Chefposten anzunehmen. So schienen die in Frage kommenden Stellen für Frauen wenig attraktiv zu sein. Es fehle oft an weiblichen Vorbildern. Traditionelle Frauen- oder Familienbilder und Aufgabenzuschreibungen setzten Frauen unter Rechtfertigungsdruck und wirkten auch in die Personalauswahl hinein. Überwiegend werde Leitung in Vollzeit und mit einem hohen Anspruch an Präsenz ausgeübt. Zudem trügen „der massive Nachwuchsmangel“ in allen Kirchenberufen und der fehlende Frauenanteil in den mittleren Leitungspositionen dazu bei, dass es kaum Kandidatinnen für führende Stellen gebe.

          Auf der mittleren Leistungsebene stellen Frauen einen Anteil von 23 Prozent. Mit 63 Prozent Männern sowie 12 Prozent Klerikern sind sie aber auch hier deutlich unterrepräsentiert.

          Laut der Studie haben sechs Bistumsverwaltungen gar keine Frau auf oberer Leitungsebene, elf beschäftigen je eine Frau, fünf je zwei und weitere fünf Bistümer drei bis fünf Frauen in einer solchen Funktion. Damit werde selten die „kritische Masse“ von 30 Prozent auf dieser Ebene erreicht.

          Weiheamt für Frauen nicht in Sicht

          Nach den Worten von Bode unterstützen die Bischöfe das Mentoring-Programm des Hildesgardis-Vereins, um mehr Frauen in kirchliche Führungspositionen zu bringen. Bei dem weltweit einmaligen Projekt werden seit 2016 führungsinteressierte Frauen von einer Mentorin oder einem Mentor begleitet und fortgebildet. Bis Ende des zweiten Durchgangs im Sommer 2020 werden 100 weibliche Nachwuchskräfte aus 23 Diözesen und katholischen Hilfswerken an dem Mentoring teilgenommen haben, wie die Vereins-Geschäftsführerin Birgit Mock erläuterte. Ein dritter Durchgang ist in Planung.

          Bode ging auch auf die vielfach erhobene Forderung nach einer Zulassung von Frauen zum Weiheamt des Diakonats ein. Er betonte, es handele sich dabei um eine „weltweite Entscheidung“. Dazu bedürfe es „mindestens einer Weltbischofssynode, wenn nicht sogar fast eines Konzils“. Das letzte weltweite Konzil der katholischen Kirche fand von 1962 bis 1965 statt. In den meisten protestantischen Kirchen haben Frauen seit den 1970er Jahren die volle Ämter-Gleichberechtigung mit Männern erlangt.

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