Als Soldat in der DDR : An der Grenze

Der erste Eindruck war: Stille, fast absolute Stille. Der zweite: dass es in der abgesperrten Natur Grenzanlagen gab, die weniger dem „Klassenfeind“ galten als vielmehr den eigenen Leuten, den „Grenzverletzern“.
Das Erste, was ein Grenzsoldat an der sogenannten grünen Grenze bemerkte, war die Stille. Nicht einmal die unberührte Natur schien Laute hervorzubringen. Selbst Autos, wenn man sie irgendwo im Osten oder im Westen fahren sah, waren so fern, dass kein Geräusch herüberdrang. Lautlos segelten die Greifvögel über den Baumwipfeln. Es konnte passieren, dass auf einmal Wild dastand und staunte: Hier gab es sonst keine Menschen. Scheu schien es deshalb nicht mehr zu kennen. Über dem Grenzgebiet lag ein tiefer Frieden - so wie es im Auge des Taifuns still ist. Dort, wo zwei Welten aufeinandertrafen, schien es, als wäre es das Ende der Welt. Es war besonders grün und besonders schön.





