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Abschiebehaft in Corona-Zeiten : Nur er und die Angst

Blick durch ein Fenster in den Aufenthaltsraum für rückzuführende Frauen und Männer am Frankfurter Flughafen (Archivbild von 2015) Bild: Picture-Alliance

Francis Mulumba sollte Deutschland verlassen. Dann kam Corona. Jetzt sitzt er am Frankfurter Flughafen in Abschiebehaft. Allein.

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          Sobald Francis Mulumba morgens aufwacht, ist die Angst da. Er isst, doch Appetit hat er keinen. Zum Telefonhörer greifen und seine Familie anrufen kann er nicht. Wo er jetzt wohnt, spricht und versteht niemand seine Sprache. „Mein Vater hat gesagt, ich muss stark sein“, sagt Mulumba, „aber ich kann nachts vor lauter Gedanken nicht schlafen.“ Er fühlt sich einsam und isoliert. Denn während alle anderen Asylsuchenden der Transitunterkunft am Frankfurter Flughafen angesichts der Corona-Pandemie zwischenzeitlich einreisen durften, sitzt Francis Mulumba allein in Abschiebehaft. In einer Unterkunft, die für 100 Personen ausgelegt ist.

          Johanna Christner
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          In einem Telefongespräch hat Mulumba der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seine Situation geschildert. Weil er möglicherweise minderjährig ist, bleibt sein richtiger Name zum Schutz seiner Person anonym. Sein Schülerausweis mit Lichtbild, seine Schulzeugnisse und seine Geburtsurkunde – all diese Dokumente besagen, dass Francis Mulumba ein sechzehn Jahre alter Junge ist. Die Papiere stammen aus Kongo. Mulumba kann seinen alten Schulweg in der Hauptstadt Kinshasa beschreiben, ein während einer Anhörung anwesender Dolmetscher aus Kongo habe die Richtigkeit der Angaben bestätigt.

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