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Griechischer Alltag : Von Menschen und Mäusen

Woppa, woppa: Demonstranten in Thessaloniki fordern den Austritt Griechenland aus Europäischer Union und Euro. Bild: AP

Bargeld in Griechenland zu bekommen ist eine Kunst. Das normale Leben mittlerweile auch. Die Griechen nutzen die Ressourcen, die sie noch haben – das Meer zum Beispiel. 

          7 Min.

          Ankunft auf dem Flughafen in Thessaloniki. Erste Aufgabe: Bargeld auftreiben. Nur 400 Euro sind noch im Portemonnaie, das könnte knapp werden bis zum kommenden Sonntag. Frage an die freundliche Dame bei der orangefarbenen Autovermietung neben dem Ausgang: Gibt es am Flughafen einen Geldautomaten? Gewiss doch, auf der Abflugebene im Obergeschoss. Ob man da Geld bekomme?

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          „Im Moment noch nicht, aber ab zwölf Uhr mittags sollte es möglich sein. Aber Sie können es ja jetzt schon mal probieren.“ In der Abflughalle: Chaos. Mehrere hundert Menschen warten. Allerdings nicht vor dem Geldautomaten, sondern am Abfertigungsschalter für den Flug nach Wroclaw um 9 Uhr 55, Gate 12.

          Ein Geldautomat ist vor lauter Breslauern nicht zu sehen, aber die Verkäuferin in der Bäckerei hilft weiter. Da hinten, neben Schalter 11, gebe es sogar drei Automaten nebeneinander. „Sind aber alle leer. Waren sie jedenfalls heute Morgen um sechs, als ich es versucht habe“, sagt sie.

          Zurück ins deutsche Griechenland

          Das werden wir ja sehen. Hatte nicht der Sitznachbar im Flugzeug (ein Italiener allerdings) voll mediterraner Überzeugung gesagt, ausländische Karten seien von den Beschränkungen ausgenommen? Doch selbst, wenn es so wäre: Nützt das etwas, wenn die Automaten von gierigen Einheimischen leergesaugt werden wie eine rumänische Dorfschönheit von Nosferatu? Außerdem muss man erst einmal zu ihnen vordringen. Schalter 11 befindet sich auf der andere Seite der Halle, und die ist überfüllt mit Wartenden aus aller Herren Länder. Russen, Ukrainer, Serben, sogar Bremer.

          Um zehn nach elf soll sie ein irischer Billigflieger zurück ins deutsche Griechenland bringen. Irgendwann aber ist Schalter elf erreicht, und tatsächlich steht dort eine wohlgeordnete Troika aus drei Geldautomaten bereit, und zwar von links nach rechts: Alpha-Bank, Ethniki-Bank, Piräus-Bank. Vor keinem der drei Automaten hat sich eine Schlange gebildet. Genaugenommen steht überhaupt niemand davor. Kein gutes Zeichen.

          Erster Versuch, Ethniki-Bank. Geldkarte einschieben. Mehrere Flaggen erscheinen, der Nutzer darf sich eine Sprache aussuchen. Ist es in Ordnung, Deutsch auszuwählen angesichts der politischen Großwetterlage? Den Versuch ist es wert. Der Automat ist sehr freundlich. „Wir empfehlen Ihnen, niemanden wissen zu lassen, wie Ihre PIN lautet.“ Verstanden. „Welche Aktion wünschen Sie?“ Geld abheben natürlich.

          Wir wollen Geld

          Sechs verschiedene Stückelungen werde angezeigt, der kleinste Betrag sind 40 Euro. Versuchen wir es einmal in aller Bescheidenheit. „Bitte warten, Ihr Vorgang wird bearbeitet.“ Der Apparat brummt und rumort vor sich hin, dann heißt es: „Auszahlung derzeit nicht möglich. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten. Bitte nehmen Sie Ihre Karte.“ Nächster Versuch, Alpha-Bank. Der Automat ist noch zuvorkommender als sein Kollege von der Ethniki-Bank. „Sie werden freundlich gebeten, vorsichtig Ihre PIN einzugeben und diese niemandem mitzuteilen, aus welchem Grund auch immer.“

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