Die Wirtschaft und die Ukraine-Krise : Versuch einer Vereinnahmung

Teile der deutschen Wirtschaft möchten nach der Krim-Annexion durch Russland zur Tagesordnung übergehen. Ihnen liest Außenminister Steinmeier die Leviten - zwischen preußischen Kanonenrohren und bei weißrussischem Wodka.
Das Berliner Zeughaus, heute Sitz des Deutschen Historischen Museums, war einst Waffenarsenal und Ruhmeshalle der preußischen Armee. Am Mittwochabend eröffnete hier Eckhard Cordes, der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, den Kongress „East Forum Berlin“, einer im vergangenen Jahr gegründeten Plattform, auf der über die Perspektiven eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes von Lissabon bis Wladiwostock diskutiert wird. Die freihändlerische Aufbruchstimmung wurde freilich durch aktuelle sicherheitspolitische Gefahrenlagen ein wenig getrübt. Doch wollten sich die Veranstalter von der Russland-Ukraine-Krise nicht allzu sehr die Laune verderben lassen. Offenbar glaubte man, mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier einen Bruder im Geiste eingeladen zu haben. Es sollte ein bemerkenswerter Abend werden: eine wirtschaftliche Elite, die umgeben von preußischen Kanonenrohren sowie bei weißrussischem Wodka und georgischem Rotwein ihre eigene politische Entrücktheit zur Schau stellte.


