Russisch Orthodoxe Kirche :
Die Rückgewinnung der Ideologie

Von
Professor Dr. Dr. Joachim Willems
Lesezeit:
Neue Heilige: Der Moskauer Patriarch Tichon und Zar Nikolaj II. auf einer Ikone aus dem Jahr 2000
Neue Heilige: Der Moskauer Patriarch Tichon und Zar Nikolaj II. auf einer Ikone aus dem Jahr 2000Ullstein

In Russland sind Kreml und Kirche ein Bündnis eingegangen. Die Orthodoxie liefert den Mächtigen eine Deutung von Geschichte und Gegenwart, in der Zar und Stalin ihre Plätze als Helden haben und der Kampf gegen den Westen als höhere Notwendigkeit begründet wird.

Wir leben am Beginn einer neuen Epoche der Weltgeschichte“, sagte der Redner im Festsaal. Aber nach Feiern war ihm nicht zumute. Denn Krieg und Gewalt breiteten sich aus, im Nahen Osten und in der Ukraine. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sei es nicht gelungen, eine neue, stabile Ordnung zu finden, die auf dem gegenseitigen Verständnis und der gegenseitigen Achtung von Menschen und Kulturen aufbaue: „Die, die sich für die Sieger im Kalten Krieg halten, schärfen allen ein, dass der von ihnen definierte Weg der Entwicklung der richtige, sogar der einzig mögliche Weg für die Menschheit sei.“ Der Westen dominiere die internationalen Medien und versuche mit ihrer Hilfe, die Ideale und Werte der Völker zu vernichten, um ihnen stattdessen die „Ideen der Konsumgesellschaft“ aufzuzwingen.

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