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Spitzenkandidatur Bundestag : Die CSU will den Posten des Innenministers

  • Aktualisiert am

Seehofer bei der Pressekonferenz in München Bild: AFP

Horst Seehofer will Parteichef und Ministerpräsident bleiben. Ein anderer soll als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl nach Berlin – mit dieser Personalie greift die CSU nach einem bestimmten Ministerium.

          Trotz seines erst nachträglich einkassierten Karriereendes sieht sich CSU-Chef Horst Seehofer für die Zukunft genauso motiviert wie in den vergangenen neun Jahren. Er sei seit 37 Jahren Berufspolitiker, „da ist man dann schon mit Leidenschaft unterwegs, die hat mich keinen Tag losgelassen“, sagte Seehofer am Montag nach einer Sitzung des CSU-Vorstands in München. Zudem sei er körperlich fit und könne die beiden „sehr anspruchsvollen Ämter“ so erfüllen, wie die Bevölkerung es erwarte. Das angekündigte Karriereende 2013 sei ein großer Fehler gewesen, den er nie wieder machen werde.

          Zuvor hatte der Parteivorstand einstimmig für die Pläne Seehofers gestimmt, sich sowohl als Parteichef als auch als Ministerpräsident für eine weitere Amtszeit bewerben zu wollen. In Bayern wird 2018 ein neuer Landtag gewählt, die Neuwahl des Parteivorsitzes ist für November terminiert. Drei Dinge seien maßgeblich für seine Entscheidung gewesen, sagte Seehofer: „dass man solche Ämter will, dass man sie ausüben kann und dass man auch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit den Erfolg bei einer Wahl gewährleisten kann“.

          Spitzenkandidat mit Parteichef: Joachim Hermann mit Horst Seehofer

          Seit seiner Ankündigung, 2018 die politische Karriere zu beenden, habe sich sowohl die weltpolitische als auch die parteipolitische Landschaft geändert. „Das hat so 2013 niemand vorausgesehen“, sagte Seehofer. Es gebe viele zusätzliche Herausforderungen - als Beispiele nannte er die internationale Kriminalität, den Kampf gegen den Terrorismus und die Steuerung der Zuwanderung.

          CSU greift nach dem Innenministerium

          Über Monate lächelte Joachim Herrmann alle Fragen nach einem Wechsel in die Bundespolitik weg. Doch als er sich zuletzt für die „Bild am Sonntag“ mit einer Miniaturausgabe des Brandenburger Tors fotografieren ließ, waren auch die letzten Zweifel beseitigt. Der Franke wird CSU-Spitzenkandidat zur Bundestagswahl - das ist zugleich eine Kampfansage an den bisherigen Bundesinnenminister Thomas de Maizière von der CDU.

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          Quelle: wahlrecht.de Alle Ergebnisse aus Bund und Ländern

          Etwas süffisant merkte Herrmann kurz nach seiner Kür an, dass zufällig parallel dazu de Maizière in Berlin die Kriminalitätsstatistik vorstelle. Die Aussage darin sei eindeutig: „Bayern ist auch im vergangenen Jahr wieder das Land mit der höchsten Sicherheitsqualität gewesen.“ Es gebe die klare Erwartung der Menschen, dass sich der Staat mehr um ihre Sicherheit kümmere - seine persönliche Erwartung sei, „das, was wir in Bayern leisten, möglichst in ganz Deutschland zu realisieren.“

          So selbstbewusst redet niemand, der sich auf eine Hinterbank setzen will. Herrmann ist politisch einer der Profiteure der Flüchtlingskrise. Bevor diese 2015 hochkochte, schien er den Moment für einen Wechsel in die Bundespolitik verpasst zu haben. 2011 hätte er als Bundesinnenminister in die Bundesregierung wechseln können, doch er lehnte damals zugunsten von Hans-Peter Friedrich ab.

          Merkel käme an Hermann nur schwer vorbei

          Seit Oktober 2007 hat Hermann für das Selbstverständnis der Law-and-Order-Partei so wichtige Innenressort im Land unter sich. Schrille innenpolitische Töne, wie sie früher zum CSU-Markenzeichen gehörten, sind von ihm nicht zu hören.

          Vielleicht sagt CSU-Chef Horst Seehofer auch deshalb über den leidenschaftlichen Motorradfahrer, er könne nicht jeden zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mitbringen. „Aber den Herrmann schon.“ Spätestens die reibungslose Organisation des G7-Gipfels auf Schloss Elmau brachte ihm Anerkennung auch im Bund - allerdings verschlang der Gipfel durch das Sicherheitskonzept auch mehr als hundert Millionen Euro.

          Sollte Merkel die Bundestagswahl gewinnen, wird sie an Herrmann nicht vorbei kommen. Alles andere als eine Kür zum Bundesinnenminister wäre in der CSU kaum zu vermitteln.

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