Leserbriefe : 14. Januar 2026

Tolkien aus neurechter Sicht +++ Rückkehr der Apokalypse-Angst +++ Bundesverfassungsgericht
Literarischer Rundumschlag
Dass ein Literaturwissenschaftler unter dem Wortspieltitel „Fantasy als Fanatismus“ (F.A.Z. vom 3. Januar) alle Register zieht, um Fantasy mit Fanatismus zu amalgamieren, ist – gelinde gesagt – betrüblich. Das beginnt mit Giorgia Meloni und endet mit Björn Höcke, als würden da nicht kleine, aber bedeutsame Unterschiede bestehen. Der großgespannte literarische Rundumschlag nimmt seinen Anfang bei Michael Ende und endet mit „tapfer-fröhlichen Galliern“, aber die volle Breitseite erwischt J.R.R. Tolkien, selbst Literaturwissenschaftler, freilich auch ein sehr erfolgreicher Literaturpraktiker. Seine Hobbits seien „transformationsresistente Konservative“, nicht etwa liebevolle Karikaturen von solchen, und die Ringe-Trilogie sei folglich das „Idealbuch neurechter Deutung“. Das Auenland wäre nämlich Gegenbild zur „technischen Zivilisation“. Zwei Spalten weiter heißt es zwar, „das Böse“ sei da „ein Imperium, das seine Grenzen zu erweitern sucht“, aber das wird sofort wieder auf „technische Zivilisation“ reduziert. Es wird völlig ausgeblendet, dass „Der Hobbit“ 1936 erschienen ist, die Trilogie 1954/55, und wir auch heute von einem solchen Imperium bedroht sind. Aber Markus Steinmayr tritt unbekümmert für „Moderne, Fortschritt, Industrialisierung und Migration“ ein, als hätte er noch nie was von Tech-Milliardären wie Elon Musk und von einem gewissen Donald Trump gehört und auch nicht von Öko-Aktivisten bis hin zu „Letzter Generation“ und „Kommando Angry Birds“, die wacker für Entindustrialisierung kämpfen. Literaturwissenschaftler müssen freilich in Sachen Politik nicht kompetent sein, sollten aber auf diesem Feld auch nicht dilettieren.
Diether Schürr, Hanau





