Briefe : Leserbriefe vom 7. November 2022

Scholz verteidigt Bürgergeld +++ Steinmeiers Grundsatzrede +++ Rituale als Event +++ Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testaments +++ Kolonialismusdebatte
Das Geld der Bürger und das Bürgergeld
Zum Beitrag „Scholz verteidigt Bürgergeld“ (F.A.Z. vom 1. November): Das Engagement der SPD für die eigene Klientel führt zu bemerkenswerten Formulierungen und Wortverdrehungen. Bedürftigen Menschen in schwierigen Zeiten zu helfen ist eine Frage des Anstands und zeugt von einer am Wohl des Menschen ausgerichteten Politik. Doch scheint dies der SPD nicht zu genügen: Aus berechtigten Hilfeleistungen, für die sich in unserem Gemeinwesen niemand rechtfertigen muss und die aus gutem Grund aus dem Etat des Bundesministers für Arbeit und Soziales finanziert werden und so auch als Sozialhilfe benannt werden sollten, wird ein hochtrabendes „Bürgergeld“. Schon fragt man sich: Wo fängt der Bürger an, und wo verliert er den Status des berechtigten Bürgers? Fällt schon dem Rechnungshof auf, auf wie weichen Tüchern der berechtigte „Bürger gebettet sein darf“, deklariert Kevin Kühnert diese Summen als „Schonvermögen“. Welcher Bürger möchte denn nicht sein Vermögen schonen, wenn die Zeiten schwerer werden? Wofür hat der zukünftig nicht Berechtigte gespart? Offensichtlich hat er keinen „Respekt“ verdient, den Frau Esken für die zukünftigen Empfänger einfordert. Im grimmschen Wörterbuch finden wir unter dem Stichwort „respect“ die Begriffe Achtung und Ehrerbietung. Welch fatales Verständnis offenbart ein in Geldleistung einzulösender Respektbegriff, der zukünftig auf Heller und Pfennig auszudrücken ist? Hinter all dem versteckt sich recht schamlos eine Kaschierung der tatsächlichen Sachverhalte: Auf die Bürger, die trotz der von Herrn Kühnert festgestellten „äußeren Umstände“ dank Sparsamkeit und angemessener Lebensführung ihren Unterhalt ohne staatliche Unterstützung bestreiten und die Abgaben für die Respektleistungen des Staates klaglos bezahlen, kommt es der SPD nicht an, beziehungsweise sie hofft, sie mit dieser Verwirrung der Begriffe über den Tisch zu ziehen. Dr. Ingo Schwab, Schondorf





