Briefe : Leserbriefe vom 23. Oktober 2024

Geplanter Lithium-Abbau im Erzgebirge +++ Herrhausen-Serie in der ARD
Mythen sind kein Maßstab
Der sehr ausführliche Beitrag von Christian Lehnert zum geplanten Lithium-Projekt im Erzgebirge („Schwelendes Feuer“, F.A.Z. vom 15. Oktober) ist, auch wenn man die Biographie des Autors liest, nicht von fachlichen Argumenten geprägt. Eher von sentimentalen Vorstellungen einer heilen industriefernen Zivilisation, von Analogien zu den Missständen einer gegenüber den Menschen und der Natur rücksichtslosen DDR-Vergangenheit. Und von tiefen pauschalen Vorurteilen gegenüber den „Wessies“ und allen Investoren, die nicht regional verwurzelt sind. Die gibt es schlicht nicht. Das war früher auch nicht anders, als die fernen Landesfürsten (oder die Fugger) den Erzbergbau hier oder in Tirol finanzierten. Und eine GmbH (oder eine Aktiengesellschaft) ist üblicherweise nicht die Rechtsform für unverantwortliches Handeln.
Das Erzgebirge ist historisches Bergbaurevier (nomen est omen), die Blütezeit liegt lange zurück. Das Gebiet ist zugleich von einem harschen Klima geprägt, verbunden mit marginaler Landwirtschaft. Arbeitsplätze sind rar, Tourismus sehr begrenzt, Überalterung und Abwanderung oder weite Pendlerstrecken die Realität. Der Abbau auf Lithium (und anderer Minerale) kann also einen relevanten Beitrag zur regionalen Wirtschaft darstellen. Umso mehr, weil Lithium ein begehrtes Mineral für die Batterieherstellung, also die politisch gewollte Elektromobilität ist. Andere Europäische Länder verfolgen das gleiche Ziel im Rahmen der EU-Rohstoffsicherungspolitik.
Es gibt eine strenge EU-Gesetzgebung für umweltrelevante Projekte, die in Deutschland strikt umgesetzt wird, auch in Sachsen. Insbesondere für die mögliche Gefährdung der Vorfluter. Das gilt auch für Rohstoffprojekte, pauschale Zweifel des Autors sind dann wenig zielführend.
Die fast mythische Sehnsucht nach einer heilen, quasi basisdemokratischen, autarken Welt im tiefen Erzgebirge, wie Herr Lehnert sie idealisiert: Das sollte nicht Maßstab für verantwortliches Handeln der sächsischen Landesregierung sein. Dr.-Ing. Reinhard Bassier, Rheinberg





