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Tod von John McCain : Trumps Halbmast-Hänger

  • -Aktualisiert am

Flagge am Weißen Haus weht auf Halbmast. Bild: AFP

Amerikas Präsident wird für seine Reaktion auf den Tod von John McCain kritisiert. Schaden dürfte ihm das in der eigenen Partei ähnlich wenig wie seine anderen Fehlleistungen.

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          Parks, Bibliotheken und Strände: in New York wehten am Montag überall die Flaggen auf Halbmast – zum Gedenken an den am Samstag verstorbenen republikanischen Senator John McCain. Für Mitglieder des Kongresses ist die Beflaggung auf Halbmast am Tage des Todes und am Tag danach vorgesehen. Viele Bundesstaaten verlängerten den üblichen Zeitraum und auch über dem Kapitol in Washington wehten die „Stars and Stripes“ am Montag noch auf Halbmast. Nicht so über dem Weißen Haus: dort war schon wieder die Normalbeflaggung zu sehen, bisTrump sich nachmittags umentschied.

          „Trotz unserer politischen Differenzen respektiere ich Senator John McCains Dienst an unserem Land“, erklärte der Präsident. Er habe die Halbmast-Beflaggung bis zum Begräbnis am Samstag angeordnet. Trump teilte weiter mit, er habe Stabschef John Kelly, Verteidigungsminister James Mattis und Sicherheitsberater John Bolton gebeten, seine Regierung bei den Gedenkfeierlichkeiten für McCain zu vertreten. Trump hatte der Familie per Twitter kondoliert, in dem knappen Tweet aber McCains Leben und Wirken nicht gewürdigt. Trump hatte den Ärger über sein knappes Kondolieren auf Twitter am Wochenende möglicherweise unterschätzt. Am Montag bemühte er sich zwar, die Aufmerksamkeit auf seinen neuen Handels-Deal mit Mexiko zu lenken, doch Journalisten, Politiker und Veteranenorganisationen ließen nicht locker. Unter anderem die Veteranenvereinigung American Legion forderte Trump daraufhin in scharfen Worten zur Honorierung der Verdienste McCains auf und nannte den über Nordvietnam bei einem Einsatz abgeschossenen und gefangen genommenen Navy-Piloten „einen „amerikanischen Helden“.

          Selbst Unterstützer Trumps im Kongress schimpften über seine erste Reaktion und den Beflaggungslapsus. „Das hätte nicht passieren sollen“, ärgerte sich Orrin Hatch, Senator aus Utah. „Es hätte automatisch funktionieren müssen. Man macht einfach das Richtige, ist sensibel genug.“ Andere Kollegen schlossen sich ihm an. „Ich glaube, wir sind gerade alle auf die Größe John McCains konzentriert, statt auf die Kleinlichkeit von Anderen. Dabei belasse ich es“, sagte Trump-Kritiker Bob Corker, republikanischer Senator aus Tennessee und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Der Senat verabschiedete am Montag eine Resolution zu Ehren von McCain – die Fraktionschefs beider Parteien, Mitch McConnell für die Republikaner und Chuck Schumer für die Demokraten, hielten Reden.

          Trump bleibt McCains Bestattung fern

          Beide werden auch sprechen, wenn John McCains Leichnam am Freitag in der Rotunde des Kapitols aufgebahrt wird. Für die Regierung wird Vizepräsident Mike Pence teilnehmen. Donald Trump wird wohl weder zu dieser Zeremonie noch zum Begräbnis am Samstag kommen. Damit erfüllt er den Wunsch des Senators aus Arizona, der Trumps Teilnahme ausdrücklich abgelehnt haben soll. Anstelle des Präsidenten sollen führende Mitarbeiter und Kabinettsmitglieder dabei sein. John Kelly, Stabschef im Weißen Haus, der Nationale Sicherheitsberater John Bolton und Verteidigungsminister James Mattis werden McCain die letzte Ehre erweisen.

          Unterdessen veröffentlichte Rick Davis, Sprecher der Familie McCain und ehemaliger Wahlkampfchef des zweimaligen Präsidentschaftskandidaten, eine Erklärung, die der Senator kurz vor seinem Tod verfasst hatte. McCain nannte Donald Trump nicht beim Namen, doch seine letzte politische Botschaft an die Bevölkerung wird als Kritik an dessen Politik gelesen: „Wir schwächen unsere Größe, wenn wir unseren Patriotismus mit tribalistischen Rivalitäten verwechseln, die überall auf der Welt nur zu Hass und Gewalt führen. Wir schwächen sie, wenn wir uns hinter Mauern verschanzen, statt sie einzureißen, wenn wir die Macht unserer Ideale in Zweifel ziehen, statt darauf zu vertrauen, dass sie die großartige Triebfeder für Wandel sein können, die sie stets waren.“ McCain, der die rassistische Rechte Amerikas schon öfter deutlich kritisiert hatte, warnte: „Wir sind Bürger der großartigsten Republik der Welt, wir sind eine Nation der Ideale, nicht einer Blut-und-Boden-Ideologie.“

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