https://www.faz.net/-gpf-9qd85

Vor 30 Jahren : Was der baltische Weg bewirkt hat

Millionen Hand in Hand: Demonstranten am 23. August 1989 in Tallinn Bild: Eastblockworld

Am 23. August 1989 schlossen sich rund zwei Millionen Demonstranten zu einer 670 Kilometer langen Menschenkette zusammen. In der Erinnerung vieler Litauer spielt der „Baltische Weg“ auch heute noch eine besondere Rolle.

          4 Min.

          Angonita Rupsyte war nicht dabei, als sich die Menschen am Abend des 23. August 1989 um 19.00 Uhr an den Händen fassten. Sie hatte gerade einmal Zeit, zwischen zwei Telefonaten kurz aus dem Fenster auf den Platz vor der Kathedrale in Vilnius zu schauen. Was in diesem Moment geschah, wurde ihr erst in den Tagen danach klar: „Das haben wir erst verstanden, als wir die ganzen Bilder gesehen haben.“ Dabei hatte sie wochenlang auf diesen Augenblick hingearbeitet, in dem sich eine etwa 670 Kilometer lange Menschenkette von Vilnius über Riga nach Tallinn schloss. Der Erfolg der Aktion „Baltischer Weg“ übertraf ihre Erwartungen: Schätzungsweise zwei Millionen Menschen demonstrierten für die Unabhängigkeit Litauens, Lettlands und Estlands von der Sowjetunion – ungefähr jeder vierte Einwohner der drei Länder.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Aufgekommen war die Idee für diese Aktion im Mai 1989 in Estland, als Vertreter der Unabhängigkeitsbewegungen der drei Republiken überlegten, wie sie den 50. Jahrestag des Hitler-Stalin-Pakts begehen sollten. Durch den am 23. August 1939 geschlossenen Nichtangriffspakt der beiden totalitären Diktaturen hatten die Länder die Unabhängigkeit verloren, die sie am Ende des Ersten Weltkriegs 1918 errungen hatten. Hunderttausende wurden in den ersten Jahren der sowjetischen Okkupation nach Sibirien deportiert. Die Erinnerung an die Übereinkunft Hitlers und Stalins sollte deutlich machen, dass die Wiederherstellung der Eigenstaatlichkeit nicht nur eine politische Frage war, sondern eine der historischen Gerechtigkeit und der Wahrheit.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Nur mit einer inhaltlichen Zuspitzung kann sich Annalena Baerbock noch behaupten, findet die Berliner Agentur „Super an der Spree“.

          Annalena Baerbock : Ist der Wahlkampf der Grünen noch zu retten?

          Der Wahlkampf läuft schlecht für die Grünen, das Ansehen der Spitzenkandidatin ist am Boden. Wir haben einen Kampagnen-Experten gefragt: Was kann die Partei jetzt noch tun, um sich zu fangen?
          Am 17. Juli in Erftstadt: Armin Laschet ist lachend zu sehen, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Pressestatement gibt.

          Laschet und die Flut : Das Lachen des Landesvaters

          Als das Wasser kam, wollte der Kanzlerkandidat der Union helfen, zuhören – und vielleicht auch Wahlkampf treiben. Dann wuchs der Druck und alles kam anders.