https://www.faz.net/-gpf-8uzk9

Wahl in Equador : Muss Assange sein Exil verlassen?

Frische Luft nur auf dem Balkon: WikiLeaks-Gründer Julian Assange in der Botschaft Equadors. Bild: AP

Am Sonntag bestimmt Ecuador seinen neuen Präsidenten. Der Ausgang der Wahl könnte über das Schicksal des Wilkileaks-Gründers Julian Assange entscheiden.

          2 Min.

          Ein höflicher Gast sollte wissen, wann es Zeit ist zu gehen. Doch Wikileaks-Gründer Julian Assange scheint keine Eile zu haben, sein selbstgewähltes Exil in der ecuadorianischen Botschaft zu verlassen. Länger als viereinhalb Jahre hockt er nun schon in London. Assange lebt in einem von vier Zimmern der Botschaft, die weder einen Garten noch einen Innenhof hat und also auch keine Möglichkeit, an die frische Luft zu kommen. Ab und an tritt er auf den winzigen Balkon und spricht zur Presse. Regelmäßig mischt sich Assange per Twitter in die politische Debatte ein. Und schon fünf Mal bekam er Besuch von der früheren „Baywatch“-Ikone Pamela Anderson, wie die „Bild“-Zeitung weiß: „Von Besuch zu Besuch wurden ihre Röcke kürzer.“

          Stefan Tomik
          Redakteur in der Politik.

          Assange hatte sich im Juni 2012 in die Botschaft geflüchtet, weil schwedische Strafverfolger ihn per Haftbefehl suchen. Vorwürfe der sexuellen Nötigung und Belästigung sind inzwischen verjährt, der Vorwurf der Vergewaltigung ist geblieben. Im November wurde Assange von schwedischen Ermittlern in der Botschaft befragt. Das Botschaftsasyl hat er gewählt, weil er fürchtet, nach Schweden ausgeliefert und von dort in die Vereinigten Staaten überstellt zu werden, wo ihm eine lange Haftstrafe wegen Geheimnisverrats droht. 

          Vor einiger Zeit hatte Assange angekündigt, er wolle sich freiwillig nach Amerika begeben, sollte der - damalige - Präsident Barack Obama die Whistleblowerin Chelsea Manning freilassen. Das geschah auch: Obama verkürzte ihre Haftstrafe von 35 auf sieben Jahre; im Mai kommt sie frei. Doch Assange hat offenbar keine Eile. Bis dahin könne es noch „viele Diskussionen“ über seine eigene Zukunft geben, sagte er vage Ende Januar. Doch womöglich wird ihm die Entscheidung schon bald abgenommen.

          Am kommenden Sonntag wird in Ecuador ein neuer Präsident gewählt und damit der Nachfolger von Rafael Correa. Der oppositionelle Kandidat Guillermo Lasso hat kürzlich kundgetan, Assange die Gastfreundschaft aufzukündigen, sollte er die Wahl gewinnen. „Freundlich“ werde man Assange bitten, die Botschaft binnen 30 Tagen zu verlassen. „Das ecuadorianische Volk trägt Kosten, die es nicht tragen sollte“, analysierte der frühere Banker Lasso nüchtern. Das wär’s dann gewesen mit dem Botschaftsasyl.

          Diplomaten sind frustriert

          In Umfragen liegt Lasso freilich einige Prozentpunkte hinter dem führenden Kandidaten der Regierungspartei, Lenín Moreno. Doch wenn der nicht mindestens 40 Prozent holt und mindestens 10 Prozentpunkte vor dem Zweitplazierten liegt, kommt es zu einer Stichwahl. Außerdem wird auch Assanges derzeitiger Gastgeber langsam unruhig. „Unsere Botschaftsmitarbeiter haben eine Menge durchgemacht“, sagte der ecuadorianische Außenminister Guillaume Long kürzlich der britischen Zeitung „Guardian“. Unter den Diplomaten wachse die Frustration. „Es gibt einen menschlichen Preis“, sagte Long. „Diese Botschaft ist wahrscheinlich die meistbeobachtete der Welt.“ Long beklagte die schleppenden Verhandlungen mit Schweden. Das Verfahren laufe „nun schon viel zu lange“.

          Im amerikanischen Präsidentenwahlkampf hat Assange die Grenzen der Gastfreundschaft bereits kennen gelernt. Als Wikileaks gehackte E-Mails der Demokratischen Partei veröffentlichte, häppchenweise und mit dem offenkundigen Ziel, Hillary Clinton zu schaden, kappte Ecuador kurzerhand Assanges Internetzugang. „Unser souveränes Territorium“, so der Außenminister, solle nicht für eine „Einmischung in die Wahl eines anderen Landes“ benutzt werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hummels Grätsche : Retter der letzten Hoffnung

          Mats Hummels verursacht mit einem Eigentor das 0:1 gegen Frankreich. Doch seine spektakuläre Grätsche gegen Mbappé hält das Selbstbildnis der Nationalelf noch am Leben.
          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un auf einer Sitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei in Pjöngjang am Dienstag

          Hunger in Nordkorea : Die Lebensmittel werden knapp

          Kim Jong-un spricht von einer angespannten Versorgungslage. Hilfe aus dem Westen lehnt der Machthaber trotzdem ab. China hat zuletzt Mais nach Pjöngjang geschickt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.