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Großbritannien : Polizei stuft Messerangriff in Reading als „terroristisch“ ein

Reading: Ein Polizist bewacht eine Straßensperre im Stadtzentrum nach einer Messerstecherei in Forbury Gardens. Bild: dpa

Nach ersten Ermittlungen handele es sich um einen „terroristischen Vorfall“, teilte die Polizei mit. Ein Mann hatte am Samstagabend in einem Park drei Menschen erstochen und weitere verletzt.

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          Die tödliche Messerattacke in der englischen Stadt Reading wird von der Polizei als „terroristischer Vorfall“ eingestuft. Der Angreifer hatte am Samstagnachmittag gegen 19 Uhr in einem Park drei Menschen getötet und weitere teils schwer verletzt. Er wurde kurz darauf festgenommen. Nach Medienberichten soll es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen 25 Jahre alten Libyer namens Khairi S. handeln. Man suche noch nach seinem Motiv, teilte die Polizei mit. Premierminister Boris Johnson schrieb auf Twitter, seine Gedanken seien bei allen, „die von dem entsetzlichen Vorfall in Reading betroffen sind“. Innenministerin Priti Patel sprach von einem fürchterlichen und „sinnlosen Angriff auf Menschen, die einen Samstagabend mit Familien und Freunden genießen wollten“.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Tat ereignete sich in dem Park Forbury Gardens nahe dem Zentrum der Stadt. Laut Augenzeugen rannte der Messerstecher durch die vollbesetzte Grünanlage, in der viele Menschen in Gruppen gesessen und mit Freunden getrunken hätten. Der Mann habe unverständliche Worte geschrieen und sei zunächst auf eine Gruppe von zehn Menschen zugelaufen und habe drei von ihnen in Hals und Oberkörper gestochen, danach habe er eine andere Gruppe attackiert, hieß es. Drei Opfer verstarben noch am Samstag, einer der Schwerverletzten liegt noch im Krankenhaus.

          Die Polizei betonte, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Messerattacke und einer zuvor in Reading abgehaltenen Demonstration der „Black Lives Matter“-Bewegung gebe; deren Abschlusskundgebung sei bereits drei Stunden vor der Tat beendet gewesen.

          Die Stadt mit mehr als 300.000 Einwohnern liegt etwa eine Autostunde westlich von London. Der mutmaßliche Täter ist nach Berichten verschiedener Medien ein Asylbewerber aus Libyen, der in Reading lebte. Er soll in Großbritannien schon einmal wegen eines kleineren Delikts zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden sein. Der Chef der Antiterrorabteilung der britischen Polizei, Neil Basu, sagte, man habe bislang keine Hinweise, dass weitere Täter beteiligt gewesen seien.

          Im Vereinigten Königreich hat die Mordtat Erinnerungen an frühere Messerangriffe mit terroristischem Hintergrund geweckt. Erst Anfang Februar verletzte ein junger Mann zwei Menschen in Streatham in Südlondon tödlich. Der Täter namens Sudesh Amman hatte zuvor wegen der Verbreitung von Propagandamaterial von Al Qaida und dem „Islamischen Staat“ etwa zwei Jahre im Gefängnis gesessen. Nach dem Anschlag erschoss ihn die Polizei auf der Straße.

          Im Dezember 2019 war die London Bridge Schauplatz eines Angriffs gewesen. Der Täter war auch hier ein entlassener Strafgefangener, der wegen terroristischer Verbindungen zu einer Haftstrafe verurteilt worden war und nun an einem Resozialisierungsprogramm teilnahm.

          Usman Khan tötete zunächst zwei Teilnehmer einer nahe gelegenen Konferenz zur Rehabilitierung von Straftätern, dann lief er auf die Brücke und griff Passanten an. Im Juni 2017 rammten drei Angreifer ebenfalls auf der London Bridge mit einem Lieferwagen wahllos Passanten und stachen dann mit Messern zu, acht Menschen wurden getötet und 48 weitere verletzt. Einen Monat zuvor hatte sich ein Selbstmordattentäter, ein junger britischer Islamist mit libyschen Wurzeln, bei einem Konzert der Sängerin Ariana Grande in Manchester in die Luft gesprengt und 22 Menschen getötet.

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