Orbán als UN-Chef? : Den Schoßhund der Autokraten verhindern

Trump, Putin und Xi wollen angeblich Orbán an der Spitze der UN. Er war ihnen schon als Ungarns Ministerpräsident zu Willen. In Europas Interesse wäre das nicht.
Die Sache mag auf den ersten Blick verrückt klingen, wie der Gewährsmann des „Wall Street Journal“ sich ausdrückte. Aber laut der amerikanischen Zeitung sollen sich die Anführer der USA, Russlands und Chinas darin einig sein, dass Viktor Orbán (oder jemand wie er) UN-Generalsekretär werden soll.
Merkwürdig ist daran nicht, dass Donald Trump, Wladimir Putin und Xi Jinping sich auf den Ungarn verständigen könnten. Er hat sich in seiner langen Amtszeit als Ministerpräsident den Interessen dieser drei rückhaltlos anbequemt. Sondern es ist der Umstand, dass dann ein Kandidat ins Rennen geschickt würde, der von der Regierung seines eigenen Landes abgelehnt würde. Denn man darf als gewiss annehmen, dass Orbáns Bezwinger und Nachfolger Péter Magyar nicht so leichtfüßig wie Trump über den zunehmenden Machtmissbrauch und die grassierende Korruption während der vergangenen 16 Jahre hinweggehen würde.
Grundsätze würden missachtet
Auch der bisher gepflegte Grundsatz, dass die Weltregionen einander abwechseln, wenn es um die Position an der Spitze des UN-Apparats geht, würde durch eine Wahl des Europäers Orbán als Nachfolger des Europäers Guterres missachtet.
All das bedeutet aber noch nicht, dass es nicht so kommt. Wenn sich im UN-Sicherheitsrat die USA, Russland und China einig sind, hat das großes Gewicht. Es gibt allerdings noch zwei Vetomächte: Frankreich und Großbritannien. An ihnen wäre es, Europas Interesse zu wahren, indem sie den Schoßhund der Autokraten verhindern.






