Franzosen im Streik : Lahmgelegt

Der Zorn der Streikenden in Frankreich richtet sich gegen ein Kernvorhaben des Präsidenten: die Reform des zersplitterten Rentensystems. Ob Macron an seinen Plänen festhalten wird, hängt von der Länge des Ausstands ab.
Eben noch hat Emmanuel Macron das atlantische Bündnis kräftig durchgerüttelt, jetzt erheben sich im eigenen Land die Beharrungskräfte gegen seine Rentenreformpläne: In ganz Frankreich ist es am Donnerstag zu massiven Streiks im öffentlichen Dienst und in Staatsbetrieben gekommen. Sie haben, wie berichtet wurde, das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt. Der Zorn der Streikenden richtet sich gegen ein Kernvorhaben des Präsidenten: die Reform des zersplitterten Rentensystems.
Die Gegner befürchten eine längere Lebensarbeitszeit und/oder später geringere Renten – die Befürworter des Plans sehen in den bisherigen Regelungen eine Privilegierung bestimmter Branchen. Eine Korrektur ist mehr als überfällig. Aber weil damit eben ein Abbau von Privilegien verbunden wäre, haben die Gewerkschaften der Begünstigten zum Streik aufgerufen. Sie wissen dabei eine Mehrheit der Bürger hinter sich.
Damit ist klar, dass das Schicksal der Pläne Macrons eingehen wird in das zeitlose Stück über die Reform(un)fähigkeit Frankreichs. Noch gibt sich der Präsident entschlossen. Aber ob er an seinen Plänen festhalten wird, hängt ganz wesentlich von der Länge des Ausstands ab, also davon, ob und wie lange die betroffenen Bürger den „Stillstand“ hinzunehmen bereit sind. Macron dürfte noch die Erfahrung mit den „Gelbwesten“ in den Knochen stecken. Deren Proteste hat er überstanden, aber Blessuren davongetragen. Wird der „Reformpräsident“ jetzt unnachgiebig bleiben?



