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Gerettet auf dem Mittelmeer : Handelsschiff mit Migranten darf nach Sizilien

  • Aktualisiert am

Die geretteten Migranten an Bord der „MV Marina“ Bild: dpa

Die Migranten müssten dann zwei Wochen in Corona-Quarantäne. Das deutsche Frachtschiff hatte die 79 Menschen bereits am Sonntag gerettet. Die UN kritisiert die restriktiven Politik europäischer Staaten gegenüber Bootsflüchtlingen.

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          Ein deutsches Frachtschiff mit 79 Migranten an Bord darf nach Sizilien fahren. „Wir haben die Erlaubnis der Behörden, das Schiff ist auf dem Weg in Richtung Sizilien“, sagte der Reederei-Inhaber Thies Klingenberg der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Die Menschen sollten dort von Bord.

          Wo genau das Schiff anlegen soll, konnte er nicht sagen. Ein Sprecher des Innenministeriums in Rom bestätigte, dass die „MV Marina“ nach Italien darf. Die Migranten müssten dann zwei Wochen in Corona-Quarantäne.

          Das Handelsschiff war nach Angaben der Reederei am Sonntag auf dem Weg von Tunesien nach Malta gewesen, als es von den maltesischen Behörden den Auftrag bekam, sich an einer Rettungsaktion zu beteiligen. Danach wartete es tagelang auf die Zuweisung eines Hafens. Die Lage an Bord hatte sich dabei nach den Aussagen des Reeders extrem zugespitzt. Die Reederei sitzt im schleswig-holsteinischen Ellerbek bei Hamburg.

          Malta und Italien hatten ihre Häfen in der Covid-19-Krise als „nicht sicher“ deklariert. Menschen, die von Schiffen aus Seenot gerettet werden, könnten dort nicht versorgt werden, hieß es.

          Colville: Abwehrende Maßnahme gefährden Menschenleben

          Das UN-Menschenrechtkommissariat hat die restriktive Politik europäischer Staaten gegenüber Bootsflüchtlingen auf dem Mittelmeer scharf kritisiert. Die abwehrenden Maßnahmen gefährdeten Menschenleben, betonte der Sprecher des Hochkommissariats, Rupert Colville, am Freitag in Genf. Laut Berichten verlangten die Behörden Maltas von Handelsschiffen, dass sie Boote mit Flüchtlingen und Migranten auf das offene Meer zurückdrängen. Das sei besonders besorgniserregend.

          Der UN-Sprecher betonte auch, dass derzeit keine Seenotrettungsschiffe im zentralen Mittelmeer operierten. Die humanitäre Arbeit privater Seenotretter werde laut Berichten von Regierungen behindert und unterbunden. Allen privaten Seenotrettern müsse unbedingt erlaubt werden, ihre Operationen fortzusetzen.

          Nach Angaben der Organisation Alarm Phone, die eine Notrufnummer für Flüchtlinge in Seenot betreibt, werden Boote in Seenot im Mittelmeer immer wieder sich selbst überlassen, ohne dass Malta oder Italien oder die EU-Grenzer eingriffen. Immer wieder ertrinken demnach Menschen oder werden nach Libyen zurückgebracht und in den Lagern interniert, wo Folter und Hunger herrschen.

          Das zentrale Mittelmeer gilt als eine der Hauptrouten für Migranten und Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Die Boote stechen von Libyen aus in See. Italien und Malta hatten im April ihre Häfen im Zuge der Corona-Pandemie gesperrt. Die Menschen stammen meist aus Afrika sowie dem Nahen und Mittleren Osten. Sie fliehen vor Armut und Gewalt in ihren Heimatländern.

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