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Nach Attentat auf Shinzo Abe : Warum Japans Politiker ihre Beziehungen zur Moon-Sekte nicht aufgeben

Massenhochzeit der Moon-Sekte im Februar 2013 im südkoreanischen Gapeyong Bild: ddp

Die als Moon-Sekte bekannte Vereinigungskirche hat in Japan nicht den besten Ruf. Doch Konservative nutzen sie gerne als Wählerreservoir.

          6 Min.

          Attentate sind in der japanischen Geschichte nicht selten. Seit 1960 zählt das Land gut ein Dutzend Angriffe auf bekannte Politiker. Oft standen rechtsnationalistische Täter dahinter. Manche Mordversuche misslangen, wie die Attentate auf Ministerpräsident Nobusuke Ki­shi, den Großvater des am 8. Juli ermordeten Shinzo Abe, 1960 oder den ehemaligen Ministerpräsidenten Morihiro Hosokawa 1994. Andere endeten tödlich, wie der Angriff auf den Bürgermeister von Nagasaki, Itcho Ito, 2007.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der jüngste Mord am früheren Ministerpräsidenten Abe passt jedoch nicht in diese Kategorie politischer Gewalt. Vielmehr deutet alles, was die Ermittler aus den Verhören nach außen dringen lassen und was die Medien aus dem Umfeld des Attentäters zusammentragen, auf einen Einzeltäter hin. Dieser wollte sich offenbar für das Unheil rächen, das die 1954 vom Südkoreaner Moon Sun-myung gegründete Vereinigungskirche (auch bekannt als „Moon-Sekte“) seiner Familie zugefügt haben soll. Nach dieser Darstellung wurde Abe Opfer, weil der Täter ihn für „den einflussreichsten Sympathisanten der Vereinigungskirche in der realen Welt“ hielt. So heißt es in einem Schreiben, das der 41 Jahre alte Mann vor der Tat anonym an einen Kritiker der Vereinigungskirche geschickt haben soll.

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