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Nach Todesfahrt von Berlin : Fieberhafte Suche nach dem Täter

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Der Lkw, mit dem ein bislang Unbekannter in den Weihnachtsmarkt in Berlin gerast war. Bild: dpa

Am zweiten Tag nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin gehen die Ermittler Hunderten von Hinweisen nach. Innenminister de Maizière gibt sich zuversichtlich. Eines der Opfer hat möglicherweise noch Schlimmeres verhindert.

          Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt fahnden Ermittler unter Hochdruck nach dem womöglich bewaffneten Täter und etwaigen Komplizen. Auch die Hintergründe des Angriffs und der genaue Tatablauf beschäftigen die Sicherheitsbehörden am Mittwoch weiter.

          Dabei hat der polnische Lkw-Fahrer, der während der Amokfahrt auf dem Beifahrersitz saß, möglicherweise noch Schlimmeres verhindert. Die Obduktion habe ergeben, dass der Mann zum Zeitpunkt des Anschlags noch gelebt hat, berichtete die „Bild“-Zeitung online. Ein Ermittler habe von einem Kampf gesprochen. Auch von Messerstichen sei die Rede gewesen. Nach dpa-Informationen wurde er erst mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen, nachdem der Lkw zum Stillstand gekommen war. Das könnte bedeuten, dass er versucht haben könnte, den Täter zu stoppen.

          Ein zunächst festgenommener Verdächtiger wurde wieder freigelassen, nachdem sich gegen ihn kein dringender Tatverdacht ergeben hatte. Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt sagte am Dienstag, es sei möglich, dass der gefährliche Täter noch im Raum Berlin unterwegs sei. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) versicherte im ZDF, die Ermittler tappten nicht im Dunklen. Es gebe Ermittlungsansätze, die würden verfolgt. „Und niemand wird ruhen, bis nicht der Täter oder die Täter gefasst sind“, sagte er in der ARD.

          „Sehr viele Ansatzpunkte“

          „Ich bin relativ zuversichtlich, dass wir vielleicht schon morgen oder in naher Zukunft einen neuen Tatverdächtigen präsentieren können“, sagte der Vorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, am Dienstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner Spezial“. Vieles könne derzeit nicht verraten werden, aber es gebe „gute Hinweise“ und „sehr viele Ansatzpunkte“.

          Zwar hat mittlerweile die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) den Angriff für sich reklamiert. Allerdings steht bislang nicht fest, ob wirklich eine so weit verzweigte Organisation hinter dem Anschlag steht oder der Täter auf eigene Faust handelte. Der IS hatte über sein Sprachrohr Amak verbreitet, der Angriff sei eine Reaktion auf Aufrufe gewesen, die Bürger von Staaten der Anti-Terror-Koalition anzugreifen. Sollte sich bestätigen, dass der IS hinter der Tat steht, wäre es der erste islamistische Anschlag mit einer Vielzahl von Todesopfern in Deutschland.

          Mehr als 500 Hinweise

          Die Berliner Polizei hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Hinweise zu dem Anschlag erhalten. Neben Zeugenaussagen werten die Ermittler Schulz zufolge DNA-Spuren und Fingerabdrücke aus. Mit GPS-Daten vom Tatabend werde nach dem Handy des Täters gesucht. Auf dieser Basis könne ein Bewegungsbild erstellt werden. „Wir haben viele Möglichkeiten, um die Person auch zu finden“, sagte Schulz.

          Schon kurz nach dem Anschlag nahm die politische Debatte über die Tat und die Schlussfolgerungen daraus Fahrt auf. CSU-Chef Horst Seehofer sagte: „Wir sind es den Opfern, den Betroffenen und der gesamten Bevölkerung schuldig, dass wir unsere gesamte Zuwanderungs- und Sicherheitspolitik überdenken und neu justieren.“ Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits Zweifel, ob der als Verdächtige in Berlin festgenommene Flüchtling wirklich der Täter war.

          CDU-Vize Armin Laschet kritisierte Seehofer für seine Wortwahl. Es sei nicht die „normale Herangehensweise an Politik“, schon vor Ermittlung der Fakten durch die Polizei Schlüsse zu ziehen zu ziehen, sagte er am Dienstagabend bei „Maybrit Illner spezial“. „Was ist denn, wenn der Täter aus dem Inland oder aus einem Nachbarland kommt, wie bei den Anschlägen von Nizza oder Brüssel?“

          Bundeswehreinsätze im Inneren

          Unter dem Eindruck des Anschlags bekräftigte die CSU auch ihre Forderung nach erweiterten Einsätzen der Bundeswehr im Inneren. Soldaten könnten mit ihrer speziellen Ausbildung und Ausrüstung die Polizei vielfach unterstützen, sagte Florian Hahn, Außen- und Sicherheitsexperte der Partei, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die SPD, die Opposition und auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sind jedoch der Ansicht, dass die Regeln für die Bundeswehr im Inneren ausreichend seien. Verfassungsrechtlich ist ein vorbeugender Einsatz der Bundeswehr ausgeschlossen und ansonsten nur in außerordentlichen Lagen im Zusammenhang mit Katastrophen oder auch mit einer Verkettung verschiedener Terrorlagen denkbar.

          Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff warnte davor, sich Ängsten hinzugeben. „Ich hoffe, wir behalten in Deutschland die Nerven“, sagte der CDU-Politiker der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“. „Das Thema wird aber sehr stark instrumentalisierbar sein, gerade angesichts der Wahlkämpfe im kommenden Jahr, wie wir in den sozialen Medien erleben können.“

          Die Strategie der Terroristen sei es, solche Ängste zu schüren und die Gesellschaft zu destabilisieren. „Das dürfen wir nicht zulassen. Wir befinden uns nicht im Krieg, das ist etwas vollkommen anderes, und wir lassen uns den Krieg auch nicht von Salafisten in unser Land tragen.“

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