FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Publizisten belehren Ukrainer :
Die deutsche Narbe

Von
Felix Ackermann
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Wer den Zweiten Weltkrieg Krieg in die Ukraine brachte, scheinen heute einige Deutsche vergessen zu wollen. Das während deutscher Rückzugsgefechte im April 1944 entstandene Foto zeigt einen Wehrmachtssoldaten zwischen zerstörten Häusern im westukrainischen Brody. Der nationalsozialistische Kommentator notierte: „Eben tobte hier der Kampf mit eingedrungenen Sowjets. Häuser gingen in Flammen auf, aber jetzt patrouillieren unsere Grenadiere.“
Wer den Zweiten Weltkrieg Krieg in die Ukraine brachte, scheinen heute einige Deutsche vergessen zu wollen. Das während deutscher Rückzugsgefechte im April 1944 entstandene Foto zeigt einen Wehrmachtssoldaten zwischen zerstörten Häusern im westukrainischen Brody. Der nationalsozialistische Kommentator notierte: „Eben tobte hier der Kampf mit eingedrungenen Sowjets. Häuser gingen in Flammen auf, aber jetzt patrouillieren unsere Grenadiere.“SZ Photo

In der Debatte über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verwandeln Publizisten wie Harald Welzer und Jakob Augstein die Täter- in eine Opferperspektive, vor laufender Kamera. Ein Gastbeitrag.

Zum Auftakt einer öffentlichen Diskussion über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine verweist der Moderator im Oktober 2022 auf das brennende Haus Europa und sagt: „Das Thema des heutigen Abends und auch das Bild erinnern mich an meinen Großvater, der vor zwei Jahren im Alter von 99 Jahren gestorben ist. Er wurde im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Luftwaffe als Flieger eingesetzt.“ Mehrmals sei er nur knapp dem Tod entronnen. „Zeit seines Lebens sprach er davon, dass dieser Krieg ihm seine Jugend geraubt hat – und dass dieser, ich zitiere, ‚Scheißkrieg‘ uns alle lehren sollte, dass so etwas nie wieder passieren darf.“

Die deutsche Erinnerung an eigene Opfer im Angesicht des russischen Angriffskriegs in der Ukraine markiert eine auffällige Lücke im öffentlichen Sprechen über den Krieg. Der Hinweis auf den verfrühten Verlust der Jugend war nicht verbunden mit der Information über die Leiden, die deutsche Piloten über die Menschen im östlichen Europa gebracht hatten. Die Luftwaffe hatte den Angriffskrieg gegen Polen im September 1939 mit der Bombardierung polnischer Städte begonnen, sie setzten die Zerstörung ziviler Leben in den folgenden sechs Jahren auch in der Ukraine fort.

Es ist auffällig, wie 2022 im Angesicht der Bilder zerstörter Städte in der Ukraine, zu einem Zeitpunkt, zu dem in der Ukraine 2022 bereits Zehntausende Menschen ums Leben gekommen sind, der russische Geheimdienst in den besetzten Gebieten Filtrationslager betreibt und Tausende Kinder ins Innere Russlands verschleppt wurden, vor allem deutsche Männer die Kriegserlebnisse ihrer eigenen Soldaten- und Offiziersväter und -großväter anführen, um in vielen Fällen daraus die Forderung nach Verhandlungen mit dem heutigen Angreifer abzuleiten.

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