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Demokraten nach der Wahl : Der strahlende Retter ist nicht in Sicht

  • -Aktualisiert am

Demokraten in Olathe, Kansas, feiern am 6. November den Einzug ihrer Kandidatin Sharice Davids ins Repräsentantenhaus. Bild: AP

Sie hofften, durch die Kongresswahl ein Erfolgsrezept für 2020 zu finden. Stattdessen wartet jetzt viel Arbeit. Und der Kampf um den Wahlsieg im Süden wird noch einmal eröffnet.

          Die nächste Runde im Kampf um den Wahlsieg in Florida ist eröffnet: Donald Trump beschuldigte mehrere Kommunen auf Twitter schon einmal vorsorglich des Betrugs, Senator Marco Rubio sekundierte. Gouverneur Rick Scott, der selbst Senator werden will, beschuldigte die Demokraten, die Wahl „stehlen“ zu wollen und drohte mit rechtlichen Schritten. Die Bezirke Broward und Palm Beach tendieren eher zu den Demokraten – und viele Stimmen sind noch nicht ausgezählt. Belege für Foulspiel lieferten Trump und die beiden Republikaner am Donnerstag nicht, doch warum sie wütend sind, ist klar: die sicher geglaubten Siege von Scott und auch von Ron DeSantis bei der Gouverneurswahl könnten wackeln. Eine Neuauszählung könnte für beide drin sein – das ist teuer, ärgerlich und schmälert den republikanischen Triumph bei den Kongresswahlen am Dienstag.

          In Georgia sieht es ähnlich aus: Gouverneurs-Kandidatin Stacey Abrams hatte am Donnerstagabend immer noch nicht ihre Niederlage eingeräumt – im Gegensatz zu Andrew Gillum in Florida, dessen Gratulation an Ron DeSantis einige nun für verfrüht halten. Abrams' Argumente: es gab zu viele Meldungen über Unregelmäßigkeiten bei der Wahl, zudem schrumpfte der Abstand auf Republikaner Brian Kemp bei der Auszählung der Briefwahlstimmen weiter – und so genannte „provisional ballots“, die Menschen abgeben, wenn ihnen aus formellen Gründen die Abstimmung verweigert wird, müssen auch noch gezählt werden. „Es ist noch nicht vorbei, Stacey Abrams braucht uns noch“, twitterte Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts am Abend.

          Florida und Georgia waren für die Demokraten politisch wichtig, weil hier zwei Afroamerikaner mit einer progressiven Agenda kandidierten. Ähnlich viel nationale Aufmerksamkeit zog mit Texas ein weiterer südlicher Staat auf sich: hier war der Sieg des Senators Ted Cruz über den jungen Star Beto O'Rourke klar, wenn auch ebenfalls sehr knapp. Auf den ersten Blick waren es drei krachende Niederlagen linker Politiker, durch die sich die demokratische Strategie in Richtung „moderaterer“ Kandidaten verändern könnte – zumal gleichzeitig zentristischere Kandidaten in Staaten wie Wisconsin, Michigan und Pennsylvania Erfolge feierten. Nicht so schnell, meinen viele Beobachter: schließlich kamen die drei Verlierer im Süden nah an Siege heran, die äußerst unwahrscheinlich waren.

          Beto O'Rourke wollte mit Ted Cruz einen Senator besiegen, der zwar unbeliebt ist, aber immerhin schon einmal fast Präsidentschaftskandidat geworden wäre. Und Texas hatte seit 1993 keinen demokratischen Senator mehr. Dass O'Rourke trotz seiner Niederlage gefeiert wurde wie ein Star, lag daran, dass er sehr nah an Cruz herankam und zuvor zeigte, wie Demokraten viele Menschen mobilisieren können: mit einer Kombination aus Inhalten und einem nahbaren, charismatischen Kandidaten. Auf genau diese Zutaten setzten sie auch bei den Gouverneurswahlen in Florida und Georgia – und auch dort taten sie das gegen alle Wahrscheinlichkeit. Andrew Gillum wollte schließlich nicht nur der erste afroamerikanische Gouverneur des Staates Florida werden, sondern auch der erste demokratische Landeschef seit zwanzig Jahren. Er verlor wahrscheinlich nicht wegen seiner progressiven Agenda – Parteifreund Bill Nelson, der wohl seinen Platz im Senat für den bisherigen Gouverneur Rick Scott räumen muss, gilt als zentristischer Demokrat und fuhr nicht besser als Gillum.

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