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Ein intersexueller Mensch aus Australien: Manche Menschen sind weder Mann noch Frau. Das soll sich künftig auch im Geburtenregister spiegeln. Bild: dpa

Drittes Geschlecht : Was bedeutet die Entscheidung des Verfassungsgerichts?

Künftig wird es ein drittes Geschlecht im Geburtenregister geben. Wie kam es zu dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts – und wie geht es jetzt weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Das Bundesverfassungsgericht fordert, dass künftig ein drittes Geschlecht im Geburtenregister eingetragen werden kann. Intersexuellen Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, solle damit ermöglicht werden ihre geschlechtliche Identität „positiv“ eintragen zu lassen, entschieden die Karlsruher Richter in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss. Zur Begründung verwies das Gericht auf das im Grundgesetz geschützte Persönlichkeitsrecht. (Az. 1 BvR 2019/16)

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft.

          Der Gesetzgeber muss nun laut Karlsruhe bis Ende 2018 eine Neuregelung schaffen, in die als drittes Geschlecht neben „männlich“ und „weiblich“ noch etwa „inter“, „divers“ oder eine andere „positive Bezeichnung des Geschlechts“ aufgenommen wird. Bisher gibt es für solche Menschen nur die „negative“ Option, nämlich die, kein Geschlecht eintragen zu lassen.

          Was ist der Hintergrund der Entscheidung?

          Seit Juni 2014 kämpft Vanja, ein intersexueller Mensch, dafür, seinen Eintrag im Geburtenregister von „weiblich“ auf „inter/divers“ zu ändern. Vanja war als Mädchen eingetragen worden. Laut einer vorgelegten Chromosomenanalyse ist Vanja aber weder Frau noch Mann. Das Standesamt von Gehrden bei Hannover hatte den Fall an das Amtsgericht Celle übergeben. Sowohl dort als auch am Oberlandesgericht Hannover und in der Folge am Bundesgerichtshof in Karlsruhe wurde gegen Vanjas Antrag entschieden. Die Begründung: Das Gesetz sehe eine dritte Option nicht vor. Daraufhin beschloss die „Kampagne für eine dritte Option“, die Vanja unterstützt, bis vor das Verfassungsgericht zu ziehen. Dort wurde am 2. September 2016 Verfassungsbeschwerde eingereicht.

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          Warum wollen die Kläger eine dritte Option?

          Seit vier Jahren besteht die Möglichkeit, nach der Geburt eines Kindes kein Geschlecht in die Urkunde einzutragen. Das kommt denjenigen Menschen zugute, die sich keinem Geschlecht zuordnen, heißt es bei der „Kampagne für eine dritte Option“. Diejenigen, die sich als intersexuell fühlen, würden dadurch hingegen nicht repräsentiert. Die Kläger argumentierten außerdem, dass das Bundesverfassungsgericht in der Vergangenheit immer wieder festgestellt hatte, dass die selbst empfundene geschlechtliche Identität Teil des Persönlichkeitsrechtes ist. Der Argumentation des Bundesgerichtshofs, dass das Geburtenregister nur eine „dienende Funktion“ habe und deshalb nicht verfassungskonform gestaltet werden müsse, wollten sie nicht folgen.

          Wie viele Menschen sind betroffen?

          Dazu gibt es nur Schätzungen. Eine geht etwa von 80.000 intersexuelle Menschen in Deutschland aus. Einer anderen Schätzung zufolge kommt einer von 1500 Säuglingen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt. Bei der „Kampagne dritte Option“ heißt es, dass es darauf aber nicht ankomme: Zum einen handele es sich bei diesen Zahlen um Fremdzuschreibungen von Ärzten, die nichts darüber aussagten, wie Menschen sich fühlten und welchem Geschlecht sie sich selbst zuordneten. Zum anderen könne eine Gewährung elementarer Persönlichkeitsrechte nicht von der Anzahl der Betroffenen abhängig gemacht werden.

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