Markus Söder : Hat sich der Provokateur verkalkuliert?

Mit seinem Vorstoß, Kreuze in Amtsstuben aufzuhängen, löst Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sogar Kritik der Kirche und des katholischen CSU-Adels aus. Der starke Widerstand dürfte ihn überrascht haben.
Dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder wird klar gewesen sein, dass sein Vorstoß, im Eingangsbereich von Dienstgebäuden des Freistaats Kreuze anzubringen, auf Widerstand stoßen würde. Dass es dann aber auf so breiter Front passierte, dürfte auch ihn, den erfahrenen Provokateur, überrascht haben. Erste Anzeichen, dass er diesmal überzogen haben könnte, kamen aus dem katholischen CSU-Adel. Hans Maier übte öffentlich Kritik, Alois Glück protestierte bei Söder persönlich. Schon am Wochenende hat Söder SMS an Parteifreunde geschickt, die in ihren Wahlkreisen waren. Er wollte wissen, wie sein Kreuz-Vorstoß an der Basis ankomme. Die Stimmung soll geteilt gewesen sein. Applaus einerseits, andererseits aber auch Stirnrunzeln, Augenrollen. Es kostete die CSU-Leute einige Mühe, Söders etwas gewundene Linie draußen zu vertreten. Erst hatte er argumentiert, das Kreuz sei „nicht ein Zeichen einer Religion“, sondern stehe „für die geschichtlich-kulturelle Identität und Prägung Bayerns“. Wenig später sagte er dann: „Natürlich ist das Kreuz in erster Linie ein religiöses Symbol.“ Doch in dem Symbol bündele sich auch die Grundidee eines säkularen Staates.




