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CSU im Wahlkampf : Seehofers Wahlkampflüftchen

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Die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Innenminister Joachim Hermann und Ministerpräsident Horst Seehofer bei einer CSU-Vorstandssitzung in München Bild: dpa

Die CSU bleibt kurz vor der Wahl entspannt. Parteichef Seehofer absolviert ein Minimum an Terminen. Nur zwei Parteigrößen rackern – obwohl sie gar nicht kandidieren.

          Glückliche CSU! Mögen andere Parteien Wahlkampf auf der zweiten Silbe betonen, die CSU lässt es entspannt angehen. Zum Beispiel im oberbayerischen Erding, ein historischer Ort für die CSU. 2008 stand sie nach dem Sturz Edmund Stoibers vor einer wichtigen Landtagswahl. Stoibers Nachfolger, der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein und der CSU-Vorsitzende Erwin Huber, versprachen sich von einer Wiedereinführung der Pendlerpauschale Aufwind im Wahlkampf.

          In freudiger Erwartung reisten sie zu einer gemeinsamen Sitzung mit Angela Merkel nach Erding. Doch die Kanzlerin erwies sich – nicht zum ersten Mal – als CSU-resistent und hielt daran fest, dass bei der Pendlerpauschale eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abgewartet werden müsse. Es war ein rüder Rempler der Kanzlerin, der für die CSU im Totalschaden des Verlusts der absoluten Mehrheit endete.

          Die CSU hat ein langes Gedächtnis – was läge näher, als jetzt im Bundestagswahlkampf Flagge zu zeigen in Erding, auf dem Schrannenplatz, der eine Kulisse für eine Kundgebung bietet, wie sie schöner kaum sein kann? Zumal wenn das Wetter passt und Joachim Herrmann, der Spitzenkandidat der Partei, erwartet wird. Doch die CSU bescheidet sich an diesem Nachmittag mit dem Festsaal im nahen Erdinger Weißbräu – einem relativ kleinen Saal, in dem sich niemand so schnell aus den Augen verliert. Schon gar nicht der Spitzenkandidat Herrmann sein überwiegend älteres Publikum, das er mit der Bemerkung aufzuheitern sucht, wie schön es sei, dass so viele junge Leute den Weg zur CSU gefunden hätten.

          Idealtypische Verkörperung eines Landesherrn

          Da lässt es sich auch verschmerzen, dass es kein Freibier gibt – einst eine gängige Wahlkampfwährung in Bayern, mit dem Wechselkurs „One beer, one vote“. Wen im Weißbräu der Durst plagt, der muss den Geldbeutel zücken. Einer gewissen Logik entbehrt diese Knauserigkeit nicht: Die Wähler sind schließlich auch nicht mehr so freigebig mit ihren Stimmen für die CSU wie in früheren Zeiten. Immerhin werden am Saaleingang Brillenputztücher verschenkt, auf denen zielgruppengenau der Name des örtlichen Kandidaten Andreas Lenz in großen Lettern prangt.

          Horst Seehofer (links) und Markus Söder
          Horst Seehofer (links) und Markus Söder : Bild: dpa

          Ganz hat die CSU an diesem Nachmittag den Traum nicht aufgegeben, eine richtig große Kundgebung in Szene zu setzen; als Herrmann den Saal betritt, ertönt Musik mit Trommelwirbeln, als stürme der Kandidat auf eine riesige Bühne – und nicht hinter ein unscheinbares Rednerpult. Wobei Herrmann ohnehin alles Stürmische fremd ist – er ist die idealtypische Verkörperung eines Landesherrn, dessen Physis schon verbürgt, dass alles in bester Ordnung ist.

          Nun hat die Vorsehung – in der CSU verbirgt sich dahinter meist der Parteivorsitzende Horst Seehofer – Herrmann beschieden, dass er nicht bayerischer Ministerpräsident wird, jedenfalls nicht in nächster Zeit. Sondern er ist in spezieller Mission unterwegs: Er soll, wenn die CSU nach der Bundestagswahl wieder Regierungspartei wird, den CDU-Politiker Thomas de Maizière im Bundesinnenministerium ersetzen. Herrmann hütet sich im Wahlkampf, diesen Kampfauftrag groß zu verbalisieren; die Rolle des Dränglers passt nicht zu ihm. Doch die Ausführlichkeit, mit der er bei seinen Wahlkampfauftritten auf die innere Sicherheit zu sprechen kommt, erklärt sich nicht allein damit, dass er als langjähriger bayerischer Innenminister damit bestens vertraut ist.

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