http://www.faz.net/-gpf-9edzi

Fall Skripal : Boris Johnson nennt Verdächtige „Mörder“

Deutliche Worte: Boris Johnson im Februar in London Bild: Reuters

Der frühere britische Außenminister Boris Johnson hat keinen Zweifel an der Schuld der beiden Verdächtigen im Fall Skripal. Unterdessen sollen russische Spione auch versucht haben, ein Schweizer Labor auszuspionieren.

          Boris Johnson, der ehemalige britische Außenminister, hat scharf auf das Interview reagiert, das die beiden Verdächtigen am Donnerstag im Fall der Vergiftung des ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal dem russischen Fernsehsender Russia Today gegeben haben. Johnson sagte laut „Politico“ bei einer Preisverleihung in Washington: „Ich sage es jetzt, die beiden Typen im russischen Fernsehen sind Mörder. Und falls sie diesen Fakt abstreiten, können sie mich verklagen.“ Die beiden verdächtigen Russen, Alexander Petrow und Ruslan Boschirow, hatten im Gespräch mit der RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan abgestritten, etwas mit dem Fall Skripal zu tun zu haben. Vielmehr seien sie als Touristen nach Salisbury gereist. Unterdessen wurde auch bekannt, dass russische Spione versucht haben sollen, ein Labor in der Schweiz auszuspionieren, das an der Identifizierung des Nervengifts von Salisbury beteiligt war.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Boris Johnson ging bei seinem Auftritt in Washington noch weiter und implizierte eine direkte Beteiligung des russischen Präsidenten in den Fall Skripal. „Und jetzt sieht man, was passiert – mit diesen beiden Figuren, die auf spöttische Weise von Putin im russischen Fernsehen präsentiert werden, lächerliche vorgeschobene Fragen gestellt bekommen, die ganze Angelegenheit verspottend. Das bringt mein Blut zum Kochen .... Ich verachte das Regime absolut“, so Johnson. 

          Auch die britische Premierministerin Theresa May schenkt den Aussagen Petrows und Boschirows keinen Glauben. Moskau „beleidige die Intelligenz der Öffentlichkeit“, ließ sie über ihren Sprecher am Donnerstag ausrichten. Russland reagiere mit Spott auf den Mord an einer Britin und den versuchten Mord an anderen Personen. Traurigerweise sei diess genau das, was man mittlerweile von Russland erwarten müsse. Der frühere britische Botschafter in Russland, Andrew Wood, sagte als Reaktion: „Moskau demonstriert seine Verachtung für Großbritannien und den Westen, indem es die beiden [Verdächtigen] präsentiert. Es kann aber auch sein, dass es eine Art Bestrafung für die beiden ist, weil sie den Auftrag nicht zu Ende gebracht haben und nicht vorsichtig genug gewesen sind.“ Wie die BBC berichtet, sind selbst russische Zeitungen nicht von dem Auftritt der beiden Verdächtigen überzeugt und zweifeln deren Erklärungen an. Der Kreml reagierte auf die Vorwürfe scharf. Russland Lügen im Fall Skripal vorzuwerfen, sei „absurd“, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

          Petrow und Boschirow hatten am Donnerstag in dem Interview gesagt, sie seien zwar die auf den britischen Fahndungsfotos abgebildeten Personen und das seien auch ihre wahren Namen, aber weder seien sie Agenten des russischen Geheimdienstes GRU noch hätten sie etwas mit der Vergiftung des früheren Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tocher Julija zu tun. Die beiden waren im März in Salisbury mit dem Giftstoff Nowitschok vergiftet worden und kämpften mehrere Tage um ihr Leben. Außerdem wurde ein Polizist, der Kontakt zu beiden hatte, gesundheitlich in Mitleidenschaft gezogen. Eine Britin starb, nachdem sie ebenfalls Kontakt mit dem Nervengift hatte, ihr Partner musste ebenfalls im Krankenhaus behandelt werden.

          Die beiden verdächtigen Russen sagten in dem Interview, sie seien zwei Mal in Salisbury gewesen, um sich die „berühmte Kathedrale“ anzuschauen. Beim ersten Versuch habe dies nicht geklappt, da es geschneit habe und sie „bis zu den Knien“ nass geworden seien. Sie seien deswegen nach einer Stunde wieder nach London gefahren und am nächsten Tag zurückgekehrt. Nach dem Besuch Salisburys folgten demnach eine Fahrt zum Flughafen und der Rückflug nach Russland. Die beiden gaben an, Geschäftsleute im Fitnesssektor zu sein und des Öfteren nach Europa geflogen zu sein, besonders in die Schweiz.

          Wie die Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“ berichtet, stehe die Schweiz ohnehin im Fokus des Kremls. So seien im Frühjahr in Den Haag zwei russische Spione verhaftet worden, die auf dem Weg ins Berner Oberland gewesen seien. Dort hätten sie das Labor Spiez auskundschaften wollen, heißt es. Das Labor ist international anerkannt und war an der Untersuchung des in Salisbury verwendeten Kampfstoffs beteiligt. Die beiden Russen hatten demnach Ausrüstung dabei, die dazu hätte genutzt werden können, das Labor auszuspionieren. Wie die Zeitung weiter schreibt, sei die Verhaftung das Ergebnis eines gemeinsamen Einsatzes mehrerer europäischer Geheimdienste zur Spionageabwehr gewesen. Die beiden Russen seien in ihr Heimatland zurückgeschickt worden.

          Weitere Themen

          Explosion in Kabul nahe einer Schule Video-Seite öffnen

          Afghanistan : Explosion in Kabul nahe einer Schule

          Bei einer Bombenexplosion in Kabul nahe einer Schule sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. In den vergangenen Tagen hatte es mehrere Angriffe der Taliban auf Armee und Polizei gegeben.

          Topmeldungen

          Migranten aus Mittelamerika klettern am 29. Oktober auf den Anhänger eines Lastwagens, während eine Karawane von Menschen ihren langsamen Marsch zur amerikanischen Grenze fortsetzt.

          Flüchtlingstreck nach Amerika : Endstation Mexiko?

          Tausende Menschen schieben sich aus Honduras durch Mexiko in einer langen Karawane Richtung Amerika. Doch Donald Trumps Drohung zeigt bei den ersten Flüchtlingen Wirkung.
          Quirinale: Sitz der italienischen Regierung.

          Euro-Tief : Italien schwächt den Euro

          Der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung fällt auf den niedrigsten Stand seit Juni 2017. Am Markt herrscht Einigkeit: Schuld daran ist Italien. Und das Verhalten der populistischen Regierung in Rom verheißt auch für die Zukunft nichts Gutes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.