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Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg : Obama lässt Konzernchefs nicht nach Russland reisen

  • Aktualisiert am

Prunkvolles Sankt Petersburg - das Bernsteinzimmer im Katharinenpalast glitzert. Bild: ZB

Amerikas Manager reisen nicht zum Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg, weil die Regierung Druck macht. Unternehmenslenker aus Deutschland und Europa denken nicht daran, abzusagen.

          Das Economic Forum in St. Petersburg gilt als die wichtigste internationale Wirtschaftskonferenz in Russland. Üblicherweise im Frühsommer treffen sich an der Ostsee russische und ausländische Geschäftsleute, um über die Entwicklungschancen des drittgrößten Schwellenlandes und der Weltwirtschaft zu diskutieren – diesmal im Mai und zum 18. Mal. 2013 kamen mehr als 6000 Manager. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Konferenz zum Anlass für einen Besuch bei Präsident Wladimir Putin genommen.

          Dieses Jahr fällt die Teilnehmerliste weniger imposant aus. Wegen der Ukraine-Krise und auf Druck ihrer Regierung haben jetzt prominente amerikanische Konzernchefs abgesagt. Klaus Kleinfeld, der Vorstandsvorsitzende des Aluminiumkonzerns Alcoa, bleibt ebenso zuhause wie Indra Nooyi, die Chefin des Nahrungsmittelherstellers Pepsico oder Michael Corbat und Charlie Scharf von den Finanzanbietern Citigroup und Visa.

          „Angesichts der Anforderungen der amerikanischen Regierung hat Alcoa seine Teilnahme angepasst“, teilte das Unternehmen mit. Es werde hochrangige Vertreter seines russischen Managements schicken. Ähnlich verfahren andere. Laut Medienberichten wollen auch Lloyd Blankfein und James Gorman, die Vorstandschefs der Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley, nicht mehr nach St.Petersburg kommen. Jay Carney, der Sprecher des Weißen Hauses, gab zu, die Regierung habe die Unternehmen wissen lassen, dass sie eine Teilnahme angesichts der Ukraine-Krise für „unangemessen“ halte. Anders die Reaktion im deutschen Wirtschaftsministerium: „Wir geben keine Empfehlung ab“, sagte ein Sprecher der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Der Siemens-Chef kommt wieder

          Deutsche und europäische Konzernmanager denken denn auch gar nicht daran, wegen der Ukraine-Krise ihre Reisepläne zu ändern. Das gilt für den Vorsitzenden des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, wie für Eon-Chef Johannes Teyssen. „Eon vertraut weiterhin auf die bisher von der russischen Regierung gewährleisteten stabilen Investitionsbedingungen“, hieß es.

          Auch Metro-Vorsitzender Olaf Koch werde reisen, bekräftigte der Konzern, der seine russische Großhandelsgesellschaft an die Börse bringen will, den Plan aber wegen der Ukraine-Krise zurückgestellt hat. Auch der für das Öl- und Gasgeschäft zuständige BASF-Vorstand Harald Schwager sieht nach eigenen Worten keinen Grund für eine Absage.

          Bei Siemens, das in einem Bietergefecht um den französischen Alstom-Konzern verwickelt ist, sei noch nicht geklärt, in welcher Besetzung man in St. Petersburg vertreten sein werde, sagte ein Sprecher. Derzeit stehen Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser sowie Vorstand und Industriechef Siegfried Russwurm auf der Gästeliste. Ein Besuch Kaesers bei Putin hatte für viel Wirbel und Kritik gesorgt.

          Auch Top-Manger aus Europa ändern wegen der politischen Krise ihre Pläne bisher nicht. Aus den Niederlanden reisen Philips-Vorstandsvorsitzende Frans van Houten und der Rotterdamer Hafendirektor Allard Castelein an. Die Schweiz wird stark vertreten sein, Absagen wurden nicht bekannt. „Mit der Teilnahme setzen wir den langjährigen Dialog mit der Regierung in Moskau fort“, sagte ein Vertreter des Energietechnik- und Automatisierungskonzerns ABB in Zürich. Prominent ist der Bankensektor vertreten. Credit Suisse hat vier Vertreter gemeldet, Konkurrent UBS sogar acht Manager. Die Rohstoffkonzerne Glencore Xstrata und Mercuria haben ihr Kommen zugesagt.

          Gleiches gilt für die Vorstandschefs der größten Ölkonzerne Europas. Sowohl Shell-Chef Ben van Beurden als auch sein BP-Kollege Bob Dudley würden trotz der Intervention der amerikanischen Regierung an dem Treffen teilnehmen, hieß es in London. Es sei „für beide Unternehmen zu wichtig, um wegzubleiben“, sagte ein Branchenkenner. Sprecher sagten, sie kommentierten die Terminpläne ihrer Spitzenmanager grundsätzlich nicht. Beide Konzern sind in Russland investiert.

          Beim Autohersteller Daimler, der seit 2009 den Fahrdienst der Konferenz organisiert, hieß es derweil: „Wir halten solche dialogorientierten Veranstaltungen zwischen Ost und West sowie Politik und Wirtschaft mehr denn je für notwendig.“ Nur die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen ist etwas vorsichtiger geworden. Ob es bei dem angemeldeten Besuch von Wirtschaftsstaatssekretär Günther Horzetzky bleibe, werde man „in den kommenden Wochen im Lichte der weiteren Entwicklung entscheiden“.

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