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Griechenlands Ex-Ministerpräsident : Am Ende – ganz allein

Blickt ohne Gram zurück auf seine Amtszeit, die 2011 endete: Giorgios Papandreou Bild: Nikos Pilos/laif

Als Ministerpräsident Griechenlands stand Giorgios Papandreou zwei Jahre im Zentrum der Euro-Krise. Eine Volksbefragung sollte Klarheit über das weitere Vorgehen bringen – und bewirkte seinen Sturz. Jetzt blickt Papandreou auf diese Zeit zurück.

          Zweimal im Jahr feiert Griechenland sich selbst. Am 25. März gedenkt das Land des Beginns des Aufstands gegen die osmanische Besatzung im Jahr 1821, am 28. Oktober wird die legendäre Ablehnung des italienischen Ultimatums von 1940 gefeiert. Damals hatte Benito Mussolini Stützpunkte für seine Truppen in Griechenland verlangt, doch sein griechischer Diktatorenkollege Ioannis Metaxas sagte „ochi“ – nein. Den folgenden italienischen Angriff schlugen die Griechen zurück, nur das Eingreifen der von Hitler in Marsch gesetzten Wehrmacht verhinderte ein vollkommenes italienisches Debakel. Zur Erinnerung an das stolze Nein vom 28. Oktober 1940 werden am Jahrestag überall im Land Paraden und Gedenkveranstaltungen abgehalten.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Der Ochi-Tag des Jahres 2011 ist inzwischen selbst ein historisches Datum. Am Vortag haben sich die Regierungschefs der Eurostaaten nach epischen Verhandlungen morgens um halb vier auf ein zweites Hilfspaket für Griechenland geeinigt. Private Gläubiger sollten auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen an Athen verzichten, griechische Banken werden rekapitalisiert. Das Paket kostet 130 Milliarden Euro, dafür muss der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou eine strengere Überwachung seines Haushalts hinnehmen, weitere Budgetkürzungen und Strukturreformen durchsetzen. Als die Einigung bekannt wird, erreichen die Aktienkurse an Europas Börsen den höchsten Stand seit zwei Monaten, der Euro steigt erstmals im Jahr auf über 1,40 Dollar.

          Der Hass des ganzen Landes

          Am Morgen nach der Einigung nimmt Griechenlands Staatspräsident Karolos Papoulias gemeinsam mit anderen Politikern in Thessaloniki auf der Ehrentribüne Platz, um in Griechenlands zweitgrößter Stadt wie in jedem Jahr die große Militärparade zum Ochi-Tag abzunehmen. Doch es wird keine Parade geben an diesem Tag. Erboste Demonstranten stürmen das Gelände vor der Tribüne, in Sprechchören beschimpften sie Papoulias als Verräter, Steine werden geworfen. Die Stimmung ist aggressiv, die Polizei hat die Lage nicht unter Kontrolle. Papoulias flüchtet von der Bühne, es herrscht Chaos. Aus dem ganzen Land werden ähnliche Fälle gemeldet. Politiker von Papandreous regierender „Panhellenischen Sozialistischer Bewegung“ (Pasok) werden beschimpft, bedroht, verprügelt. Die Oppositionsführer Antonis Samaras und Alexis Tsipras unterstützen die Proteste.

          Die Botschaft der Demonstranten sei klar, heißt es in einer Mitteilung von Tsipras’ Partei Syriza: „Beendet die Zerstörung unserer Gesellschaft, beendet den Niedergang unseres Landes, lasst uns für unsere Würde kämpfen.“ Samaras, heute Ministerpräsident, verurteilt die Verhinderung der Militärparade zwar als das falsche Mittel des Widerstands gegen eine „verachtenswerte Regierung“, zeigt aber Verständnis. Die „sozialen Explosionen“ seien durch die „katastrophale Regierung“ der Pasok ausgelöst worden. Alle Oppositionsführer sagen, das „Memorandum“, wie das in Brüssel vereinbarte Hilfspaket in Griechenland genannt wird, sei Verrat.

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