Knapp 300 Millionen Euro : Millionenschwere Ortsumgehung schon vor Freigabe beschädigt

Im sächsischen Pirna soll seit Jahrezehnten durch eine Ortsumgehung Ruhe einkehren. Die Kosten haben sich mittlerweile verdreifacht – jetzt gibt es noch ein weiteres Problem.
Wieder einmal verzögert sich ein millionenschweres Großprojekt: Seit Jahren freuen sich die Menschen im sächsischen Pirna auf eine Entlastung ihrer Ortsdurchfahrt. Doch nun wird die Eröffnung der Ortsumgehung voraussichtlich nicht mehr in diesem Jahr erfolgen. Der Grund: An der Gottleubatalbrücke, einem Teil der neuen Strecke, wurden Mängel im Beton festgestellt. Das teilte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine kleine Anfrage im Bundestag mit.
Das Bauvorhaben steht bereits wegen erheblicher Kostensteigerungen in der Kritik. Während die Kostenschätzung 2017 noch bei 96,6 Millionen Euro lag, belief sich die Kostenberechnung 2025 laut Bundesregierung auf 288,4 Millionen Euro. Als Gründe nennt sie unter anderem Schwierigkeiten bei der Bauausführung, Änderungen und Erweiterungen der Leistungen sowie allgemeine Baupreissteigerungen.
Grund für die abermalige Verzögerung sind nun Ausführungsfehler beim Betonieren. Reste der Schalung, also der Gussform, seien im Beton verblieben. Das habe zu mehreren hohlen Stellen innerhalb des Betons geführt, wie ein Sprecher der Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) mitteilte, die das Bauvorhaben im Auftrag des Bundes betreut.
Betroffen sind die sogenannten Vouten, die verbreiterten Bauteile am Übergang zwischen Brückenpfeilern und Fahrbahnträger, die für die Tragfähigkeit der Konstruktion besonders wichtig sind. Die Kosten für die Beseitigung der Mängel tragen laut Bundesregierung die am Bau beteiligten Unternehmen.
Fertigstellung war für 2022 geplant
Eine Sanierung noch in diesem Herbst und Winter gestalte sich aufgrund der Witterung schwierig, hieß es. Die Arbeiten erfolgen deshalb voraussichtlich erst im kommenden Jahr. Die Inbetriebnahme der Umgehungsstraße verschiebe sich damit vorerst auf 2027. Die „Bild“ hatte zunächst darüber berichtet.
Ursprünglich sollte die Ortsumgehung bereits 2022 fertig sein, teilte die Bundesregierung mit. Wegen der geologischen Verhältnisse im Bereich des Kohlbergtunnels wurde der Termin zunächst auf 2023 verlegt. Anpassungen an der Ausführungsplanung der Gottleubatalbrücke machten anschließend eine weitere Verschiebung auf 2026 erforderlich. Nun wird die Fertigstellung für 2027 angestrebt.
Die 916 Meter lange Gottleubatalbrücke überspannt das Tal in Pirna in bis zu 70 Metern Höhe. Sie liegt zwischen dem westlich gelegenen Kohlberg und dem bewaldeten östlichen Talhang. Die Ortsumgehung soll Pirna vom Durchgangsverkehr entlasten. Zum Bauvorhaben gehört neben der Gottleubatalbrücke auch der Kohlbergtunnel.





